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Obermarkt, Dreifaltigkeitskirche, Klosterplatz, Brüderstraße ![]() Der langgestreckte Obermarkt war bei der Stadterweiterung in der Zeit um 1250 als Straßenmarkt angelegt worden. Besonders an seiner Nordseite sind prächtige Barockhäuser zu sehen, die überwiegend nach dem Stadtbrand von 1717 entstanden (im 19. Jahrhundert teilweise aufgestockt). An der Südseite befindet sich die Dreifaltigkeitskirche, im Westen schließt sich der Demianiplatz an, im Osten die Brüderstraße, die zum Untermarkt mit dem Rathaus führt. (Im Bild sind hinten rechts die Brüderstraße und der Turm der Dreifaltigkeitskirche und ganz im Hintergrund der Rathausturm zu sehen.) Obermarkt ![]() Bilder: Häuser an der Nordseite des Obermarktes ![]() ![]() ![]() Im Barockhaus Obermarkt 29 residiert heute die Görlitzer Stadtinformation. Das im Jahr 1718 errichtete Gebäude zeigt sich mit einem reich geschmückten Portal und einer prächtigen plastischen Stuckverzierung. Vom Balkon nahm Kaiser Napoleon I. im Jahr 1813 eine Truppenparade ab. ![]() ![]() Bilder: Haus und Portal an der Südseite des Obermarktes ![]() Bild: Das Portal von Haus Obermarkt 25 (an der Nordseite des Obermarktes) führt in die Verrätergasse. ![]() Bilder: Eine Tafel in der Verrätergasse erinnert an den Tuchmacheraufstand von 1527. Die Initialen "D.V.R.T. 1527" stehen für "Der verräterischen Rotte Tür". Im Haus lebte der Anführer des Tuchmacheraufstandes Peter Liebig, der später hingerichtet wurde. ![]() ![]() Dreifaltigkeitskirche ![]() Die an der Südseite des Obermarktes am Klosterplatz stehende schlichte gotische Dreifaltigkeitskirche gehörte zu dem im Jahr 1234 gegründeten Franziskanerkloster. Die um 1200 von Kaufleuten, die aus dem Gebiet Nikolaivorstadt zum Gebiet Obermarkt umzogen, sowie fränkischen und thüringischen Einwanderern angelegte Siedlung Görlitz reichte damals nur von der Neiße bis zur Brüderstraße. Das Kloster, dessen Grundstück von der Adelsfamilie Wirsynge gestiftet wurde, lag damals also noch vor den Toren der Stadt. Am 21. August 1245 wurde die Kirche von Bischof Conrad von Meißen zu Ehren der Jungfrau Maria und des Heiligen Franziskus von Assisi geweiht (seitdem finden die Kirchweihefeier/Kirmes und die Eröffnung des Görlitzer Kirmesmarktes immer am Montag nach dem 18. August statt). Von der ursprünglichen einfachen Saalkirche mit Chor und Apsis blieben zwei Säulen (mit Kapitellen) am Triumphbogen erhalten. Zwischen 1371 und 1381 entstand (anstelle der spätromanischen Apsis) ein neuer gotischer Chor mit Kreuzrippengewölbe, der heute als ältestes gotisches Bauwerk der Stadt gilt (aus dieser Zeit stammt auch der älteste Görlitzer Grabstein in der Barbarakapelle), außerdem der seitlich an den Chor angestellte schlanke Glockenturm. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die nur zwei Joch lange Barbarakapelle mit je einer Apsis mit 3/8-Schluss an jeder Seite an die Dreifaltigkeitskirche angebaut. Das ursprünglich nur flach gedeckte einschiffige Langhaus erhielt im Jahr 1508 ein Netzgewölbe (wahrscheinlich von Conrad Pflüger). Das nördliche Doppelportal entstand um 1500, der Westgiebel im Jahr 1508. Seitdem blieb das Gebäude nahezu unverändert. Die Uhr des auch "Mönch" genannten, mit Laterne und Spitzhelm ausgestatteten Kirchturmes geht traditionell sieben Minuten vor. Beim Tuchmacheraufstand von 1527 hatte ein Verräter die Uhr vorgestellt, deshalb fanden sich die Aufständischen zu früh ein, um die gewöhnlich 12 Uhr aus dem Rathaus kommenden Ratsleute zu überfallen, und konnten von der Stadtwache überwältigt werden. Nach der Reformation wurde das Franziskanerkloster aufgelöst (säkularisiert). Der letzte Mönch verließ die Klosterräume im Jahr 1563. Er übergab das Kloster an die Stadt mit der Bitte, hier ein Gymnasium einzurichten. Dieses eröffnete im Jahr 1565 (später Gymnasium Augustum genannt). Die nun evangelische Klosterkirche wurde im Jahr 1715 der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet und heißt seitdem Dreifaltigkeitskirche. ![]() Der geplante Umbau der Klostergebäude in eine moderne höhere Schule scheiterte im Jahr 1836 am Einspruch der Gutachter Karl Friedrich Schinkel und Alexander Ferdinand von Quast. Ein Einsturz im Jahr 1854 gab den Ausschlag für den Neubau eines Gymnasiums am Klosterplatz im Stil eines englischen Colleges. ![]() Bilder: Gebäude am Klosterplatz südlich der Dreifaltigkeitskirche ![]() Die Innenausstattung der Dreifaltigkeitskirche ist die einzig verbliebene spätgotische Kirchenausstattung in Görlitz. Zu ihr gehört das geschnitzte Mönchsgestühl (1484, im Baldachin ist eine Chronik der Franziskaner und des Klosters dargestellt), eine von Hans Olmützer aus Sandstein gearbeitete Grablegungsgruppe (1492/93), der holzgeschnitzte, in alter farbiger Fassung erhaltene "Christus in der Rast" (um 1500), der geschnitzte Altarschrein der "Goldenen Marie" ("Goldene Maria", 1511), ein Höhepunkt spätgotischer Schnitzkunst und Malerei in Görlitz (seit der Restaurierung 2001 wieder öffentlich zugänglich), und das Kreuzigungsbild mit Stifterpaar (1524) von Franz Han. Im alten Kreuzgang blieb die Ausmalung aus der Zeit um 1430 erhalten, die ein Engelskonzert darstellt. Die abgebildeten Musikinstrumente sind von großem musikgeschichtlichem Interesse. Die figürlich und ornamental reich geschmückte Kanzel (1670) der Dreifaltigkeitskirche zeigt sich im frühbarocken Stil, der prächtige Hochaltar (1713) mit der vollplastischen Darstellung von Christi Gebet auf dem Ölberg im Stil des Hochbarock. Der Altaraufsatz ist ein Hauptwerk von Caspar Gottlob von Rodewitz. Er zeigt auch den Einfluss von dessen Bildhauerlehrer Balthasar Permoser. ![]() ![]() ![]() Bilder: Empore, Orgel und Kanzel sowie Altarschrein "Goldene Maria" in der Dreifaltigkeitskirche Brüderstraße ![]() ![]() Vor der Dreifaltigkeitskirche, am Eingang der Brüderstraße, steht der um 1590 gebaute Rolandbrunnen (Marsbrunnen). Er trägt die Kopie einer um 1670 geschaffenen Kriegerfigur (das Original befindet sich im Museum Neißstraße 30 - s. Bild rechts). Die als Herold des kursächsischen Wappens auftretende, vom böhmischen Löwen begleitete Figur zeigt den seltsamen Kontrast zwischen einem ältlichen Landsknechtgesicht und einem durch den sehr tief sitzenden Rock noch betonten schlanken jugendlichen Körper.
![]() ![]() Die zwischen Ober- und Untermarkt verlaufende Brüderstraße zeichnet sich durch einen geschlossenen Straßenzug bedeutender Renaissance- und Barockhäuser mit schönen Portalen aus. Charakteristisch für Görlitz ist die Überbauung der anliegenden Gassen. nach oben |