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Stadtteil Tolkewitz
Flur Tolkewitz: Dorfkern Alttolkewitz im Osten sowie Wasserwerk, Johannisfriedhof, Krematorium und eine große Wohnsiedlung im Westen, dazwischen erstreckt sich die unbebaute Wiesenaue des Niedersedlitzer Flutgrabens

Aus der Geschichte
1350: urkundliche Ersterwähnung des Gassendorfes als Tolkenwicz (altsorbisch: Leute des Tolkan), ab 1396: im Besitz des Klosters Altzella (bei Nossen gelegen, betrieb einen Klosterhof in Leubnitz), Abgaben auch an die Dresdner Kreuzkirche, nach 1550 (nach der Reformation): unter der Lehnsherrschaft des Altstädter Religionsamtes des Dresdner Rates, später: Zugehörigkeit zu den 8 Ratsdörfern Dresdens, geringe landwirtschaftliche Eignung des hochwassergefährdeten, grundfeuchten und sandigen Gebietes von Tolkewitz, Aufkommen von Heimgewerbe (z.B. der Zwirnerei) als Lebensunterhalt der Dorfbewohner, Bau von Fernrohren durch Garnhändler Christian Gärtner (hatte in Leipzig das Schleifen von optischen Linsen erlernt, war auch in der Sternenkunde bewandert; bei ihm in Tolkewitz fand der Prohliser Hobbyastronom Johann Georg Palitzsch, der (Wieder-) Entdecker des Halleyschen Kometen, im Jahr 1745 erstmals Gelegenheit, den Sternenhimmel durch ein Fernrohr zu beobachten), 1800 (in einer Zeit, als die Romantiker die landschaftlichen Reize des Dresdner Umlandes entdeckten): Anlage eines Lustgartens bei Tolkewitz für Kabinettsminister Graf von Loeben und Bau eines zweigeschossigen Landhauses (hier war z.B. Gottfried Herder zu Gast), 1813 (während der Napoleonischen Kriege): Zerstörung des Lustgartens und des Landhauses bei Kampfhandlungen, 1873: Zerstörung zahlreicher Alttolkewitzer Häuser durch einen großen Dorfbrand, erhalten geblieben sind einige Bauerngehöfte, kleine Häusleranwesen und der alte Dorfgasthof (ab 1873 als beliebtes Tanzlokal "Donaths Neue Welt" betrieben), nach 1873: Gründung von 3 neuen Gehöften im damaligen Tännicht durch Tolkewitzer Bauern, 1893: Anlage einer Baumschule auf diesem Gelände, später des Straßenbahnhofes und des Krematoriums, 1900-1905: Bau neuer Siedlungen im Westen von Tolkewitz, 1912: Eingemeindung nach Dresden, 1920er Jahre: Ausbreitung der Siedlung durch den genossenschaftlichen Wohnungsbau, 1951: Bau der Betlehemkirche (Entwurf: Wolfgang Rauda; gilt als erster Kirchenneubau der DDR), ab 1961: Errichtung neuer Großblock- und Plattenbausiedlungen im Bereich Marienberger und Altenberger Straße (das geschlossene Wohngebiet Johannstadt und Striesen dehnte sich bald bis zum Tolkewitzer Flutgraben aus)

Aus der Geschichte des Städtischen Wasserwerkes Tolkewitz
1891: Kauf des Schwemmlandgebietes an der Mündung des Niedersedlitzer/Tolkewitzer Flutgrabens durch die Stadt Dresden, großflächige Aufschüttung, 1896-1898: Bau des städtischen Wasserwerkes (war das zweite Dresdner Wasserwerk nach dem am rechten Elbufer gelegenen Wasserwerk Saloppe), Anlage von mehr als 30 Brunnen (15 m tief in den Grundwasserstrom reichend) auf einer 35 ha großen Wiesenfläche an der Elbe (direkt neben dem Johannisfriedhof), Bau zweier Druckrohrleitungen (700 mm stark) zum Räcknitzer Park (2 Hochbehälter speisen hier das Trinkwassernetz der linkselbischen Dresdner Stadtgebiete), 1926: Aufhöhung des Wasserwerksgeländes (wegen der Gefahr von Elbwassereinbrüchen), später: mehrere Modernisierungen und Erweiterungen

Krematorium Tolkewitz
Aus der Geschichte des Johannisfriedhofes (mit Krematorium Tolkewitz)
Anlage des Johannisfriedhofes im Tolkewitzer Tännicht gemeinsam durch die Gemeinden der Kreuzkirche, der Frauenkirche und der Johanniskirche, 1876: Bau der Friedhofskapelle (mit Neorenaissance-Elementen geschmückter Zentralbau, Entwurf: Paul Wallot), 1881: Einweihung des Johannisfriedhofes, Ansiedlung von Kranzbindereien, Bildhauerwerkstätten und ab 1894 von Striesen kommender Gartenbaubetriebe in dem noch um 1900 stark bewaldeten Umfeld, mehrere Erweiterungen des Friedhofes, 1908: Kauf von 3 ha Kiefernwald im Tännicht durch die Stadt Dresden für den Bau eines Krematoriums, 1909-1911: Bau des Krematoriums Tolkewitz (s. Bild, Architekt: Fritz Schumacher, figuraler Schmuck: Georg Wrba) in einem recht ungewöhnlichen Jugendstil (an das Grabmal des Gotenkönigs Theoderich in Ravenna erinnernd)
Grabstätten: Opfer politischer Ereignisse (z.B. 22 Tote des Kapp-Putsches, 396 in der Zeit des Nationalsozialismus hingerichtete Widerstandskämpfer und 68 KZ-Häftlinge), Ehrenhain für die Opfer der englisch-amerikanischen Bombenangriffe im Jahr 1945, Gräber bedeutender Persönlichkeiten: u.a. Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812-1877, Dresdner Oberbürgermeister), Otto Beutler (1853-1926, Dresdner Oberbürgermeister), Bernhard Blüher (1864-1938, Dresdner Oberbürgermeister), Karl Woermann (1844-1933, Direktor der Gemäldegalerie), Eva Plaschke-Von der Osten (1881-1936, Kammersängerin), Oskar Seyffert (1862-1940, Gründer des Volkskunstmuseums)


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