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Südvorstadt
 Bild: Blick aus Richtung Hauptbahnhof nach Osten in Richtung Strehlener Platz
  Bilder: Lehrgebäude am Strehlener Platz und davor stehende Skulptur
 Bild: Gebäude nahe der Russisch-Orthodoxen Kirche
 Bild: Gebäude am Fritz-Foerster-Platz
 Bild: Geschäfts- und Verwaltungsneubau an der Fritz-Loeffler-Straße (südlich neben dem Hauptbahnhof)
Russisch-Orthodoxe Kirche
Lage: Fritz-Löffler-Straße (ehem. Reichsstraße)
Bauzeit, Architekten: 1872-1874, Harald Julius von Bosse (russischer Staatsrat deutscher Herkunft, Erbauer der deutschen Kirche in St. Petersburg), Karl Weißbach
Merkmale: Ziegelbau mit Sandsteinverkleidung, 33 m lang, 13 m breit, 40 m hoher Glockenturm, 5 Zwiebeltürme, Stil russischer Sakralbauten des 16./17. Jahrhunderts, vor allem für die russische Gesandschaft im Königreich Sachsen errichtet (gehört noch heute zum Moskauer Patriarchat), Innenausstattung: wertvolle archaisierende Ikonen der Bilderwand (Arbeiten von James Marshall) |

Maria-Gey-Brunnen
Lage: südlich des Hauptbahnhofes am Friedrich-List-Platz (ehem. Bayrischer Platz)
Entstehungszeit, Künstler: 1911, Akademieprofessor Georg Wrba
Merkmale: Brunnen mit der Figur der Aphrodite, überstand die Bombenangriffe im Februar 1945 anders als das gesamte bauliche Umfeld unversehrt, Stiftung des Arztes Dr. Heinze in Gedenken an seine früh verstorbene Frau Maria Gey Heinze, eine Kunststudentin |


Lukaskirche
Lage: Lukasplatz
Bauzeit, Architekt: 1898-1908, Georg Weidenbach
Merkmale: Stilmischung aus Neo-Renaissance und Jugendstil
Aus der Geschichte: 1903 eingeweiht, im Februar 1945 zerstört, 1963-1972 wieder aufgebaut, wegen der vorzüglichen Akustik auch für Tonträgeraufzeichnungen (unter anderem mit der Dresdner Philharmonie und der Sächsischen Staatskapelle) genutzt |

Bilder: Nordseite und Hauptportal der Lukaskirche

Bilder: Südseite der Lukaskirche und Nebengebäude (ehem. Gebäude der Kirchenverwaltung, heute eine Ruine) westlich neben der Kirche

Alter Annenfriedhof
Lage: Chemnitzer Straße
Entstehungszeit: 1848
Merkmale: Grabstätten bedeutender Dresdner Persönlichkeiten: z.B. Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872, Maler), Emil Devrient (1803-1872, Schauspieler), Bogumil Dawison (1818-1872, Schauspieler), Alfred Stübel (1827-1895, Dresdner Oberbürgermeister), Bruno Geinitz (1814-1900, Geologe), R. Wilke (1804-1889, Erbauer der Göltzschtalbrücke), Obelisk in der Mitte des Friedhofes erinnert an die Opfer des Maiaufstandes 1849 (deren Gräber gehörten zu den ersten auf dem Friedhof)
Aus der Geschichte: Vorläufer waren bis 1717 der Friedhof an der Annenkirche, dann bis 1914 der Annenfriedhof am Sternplatz |
Bild: überlebensgroße Bronzeplastik der Kurfürstin Anna (1869, Robert Henze, in der Dresdner Kunst- und Glockengießerei C. Albert Bierling gegossen) am Eingang des Alten Annenfriedhofes (bis 1945 am Denkmalbrunnen vor der Annenkirche); Anna von Dänemark (1532-1585) war die Gemahlin von Kurfürst August von Sachsen (nicht mit August dem Starken verwechseln!)
Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) mit Buchmuseum
eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands, etwa 7,2 Mio. Bücher und Zeitschriften, z.Z. 34 Standorte im Dresdner Stadtgebiet, 1996 gegründet durch die Vereinigung der Sächsischen Landesbibliothek mit der Universitätsbibliothek der Technischen Universität (diese ging aus der Bibliothek der 1828 gegründeten Technischen Bildungsanstalt hervor)
Sächsische Landesbibliothek: ging aus der Kurfürstlichen Bibliothek hervor (1556 durch Kurfürst August von Sachsen eingerichtet), erst im Residenzschloss, dann im Zwinger und ab 1786 im Japanischen Palais (ab 1788 öffentlich zugänglich) untergebracht, Hauptgebäude im Februar 1945 durch die englisch-amerikanischen Bombenangriffe zerstört, die Landesbibliothek verlor damals neben ihren Räumen im Japanischen Palais auch 44% ihres Bücherbestandes, in die SLUB brachte sie ein Buchmuseum, eine umfassende Sammlung sächsischer Literatur, eine spezielle Musikabteilung und die größte stenografische Fachbibliothek der Welt ein |
 Bild: Neues Bibliotheksgebäude (SLUB) am Zelleschen Weg (2003 eröffnet)
Aus der Geschichte der Südvorstadt
Auf der seit der letzten Eiszeitperiode im Dresdner Süden angewehten und angespülten Lößlehmdecke entstanden sehr fruchtbare Böden. Das Gebiet südlich der Dresdner Altstadt wurde deshalb noch lange Zeit vorrangig landwirtschaftlich genutzt. Die städtische Bebauung begann hier im wesentlichen erst um 1850 und auch danach gaben die Grundeigentümer das fruchtbare Land nur sehr zögerlich für die Bebauung frei. Allerdings zählt die Südvorstadt, wie die anderen zentrumsnahen Vorstädte der Altstadt, schon seit 1835 zu Dresden.
1315: urkundliche Ersterwähnung des einstigen Dorfes Boskau (nördlich des heutigen Beutlerparkes gelegen, schon ab 1449 wüst) als Boscou (altsorbisch: Dorf des Bozek), 1350: urkundliche Ersterwähnung des Dorfes Uzmik (altsorbisch: usmyk = Talzugang; nahe der heutigen Münchner Straße gelegen), später betrieb der Dresdner Rat hier das Vorwerk Auswick, älteste Fahrwege des Dresdner Südens: Kälberweg (einst entlang der heutigen Strehlener Straße nach Strehlen verlaufend) und Zellescher Weg (Name von "Altzella" abgeleitet, war bis zur Reformation Teil des Fahrweges zwischen dem Kloster Altzella bei Nossen und dem zum Klosterbesitz gehörenden Leubnitzer Gut / Klosterhof Leubnitz),
1835: Eingemeindung nach Dresden (nennenswerte Bebauung aber erst nach 1850), 1836: Eröffnung einer Blindenanstalt (Grundstück Nr. 24 an der heutigen Budapester Straße), 1837: Eröffnung einer Taubstummenanstalt (Gehörlosenschule, 1879 erweitert) neben der Blindenanstalt (beide Gebäude fielen den englisch-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer), 1841: Ausbau der Dippoldiswalder Straße (alter Fahrweg nach Dippoldiswalde, ab 1855 im Bereich der Südvorstadt Bergstraße genannt, Einnehmerhaus/Wegezollstation stand in der Nähe des heutigen Fritz-Foerster-Platzes), 1856: Bau der Schweizerstraße, nahe der Blindenanstalt an der Budapester Straße stand die damals sehr beliebte Gastwirtschaft "Zum Schweizerhäuschen", 1866 (Preußisch-Österreichischer Krieg): Bau einer Schanze am Bornberg durch preußische Truppen, Gelände später Schanzenpark und schließlich Beutlerpark genannt (nach dem Dresdner Oberbürgermeister Otto Beutler, 1853-1926), 1868: Bau der vom Bahnhof nach Süden führenden Hauptstraße der Südvorstadt (ab 1871 Reichsstraße und heute Fritz-Löffler-Straße genannt), nach 1870: Entstehung eines ziemlich gleichförmigen Wohnviertels mit rechtwinkligem Straßennetz zwischen Winckelmann-, Franklin-, Strehlener und Reichenbachstraße, der Bereich südlich des Bahnhofes wurde damals auch Diplomatenviertel genannt (es gab hier mehrere Hotels und Pensionen sowie Wohnungen zahlreicher Ausländer), 1872-1874: Bau der Russisch-Orthodoxen Kirche an der Reichsstraße, 1877/78: Bau der neogotischen Villa Leubnitzer Straße 28 (heute Möckel-Villa genannt, 1995 umfassend restauriert) durch Architekt Gotthelf Ludwig Möckel (wirkte 10 Jahre lang in Dresden, baute unter anderem 1881 die Briesnitzer Kirche im Stil der Neogotik um, war später als Hofbaumeister am Schweriner Herzoghaus tätig), 1883: Inbetriebnahme einer Pferdebahnlinie bis zur Reichenbachstraße, 1884: Bau der Amerikanischen Kirche an der Bergstraße und kurz danach der Englischen Kirche an der Wiener Straße (alle bei den Bombenangriffen im Februar 1945 zerstört, nur die Russisch-Orthodoxe Kirche wurde wieder aufgebaut), 1892: Umbau des Böhmischen Bahnhofes zum Hauptbahnhof, durch die Unterführung unter den Hochgleisen östlich neben dem Bahnhof erhielt die Reichsstraße Anschluss an die Prager Straße in der Seevorstadt (so entstand eine Ausfallstraße von der Inneren Altstadt bis zur damaligen Südgrenze der Stadt), 1896: Umstellung der Stadtbahn auf elektrischen Betrieb (in der Südvorstadt mussten die Bahnen mit Akkumulatoren fahren, weil die Oberleitungen die empfindlichen Forschungsapparaturen der damals an der Reichsstraße stehenden Technischen Hochschule gestört hätten), 1899: Genehmigung des Bebauungsplanes für die Nürnberger Straße (etwa 30 m breit) und die Münchner Straße (40 m breit), Entstehung eines Wohnviertels für gehobene bürgerliche Schichten (überwiegend Einzel- und Gruppenhäuser mit großen Wohnungen), nach 1920: schnelle Ausdehnung dieser Wohnsiedlung in Richtung Räcknitz mit Einzelhäusern und Gärten, in Richtung Plauen dagegen mit Reihenhäusern entlang der Nöthnitzer Straße, Entstehung des wohlhabenden Schweizer Viertels im Umfeld der Schweizer Straße,
Februar 1945: schwere Schäden im Gebiet zwischen dem Hauptbahnhof, der Reichenbachstraße und der Nürnberger Straße durch die englisch-amerikanischen Bombenangriffe (vom geschlossenen Wohnviertel zwischen der Strehlener und der Reichenbachstraße blieb nur ein einziges Haus an der Rabener Straße stehen), nach der Enttrümmerung erstreckte sich südlich des Hauptbahnhofes eine weite leere Fläche, auf der dann Gebäude der Verkehrshochschule sowie Verwaltungsbauten und Wohnblöcke in lockerer Bebauung errichtet wurden (im Süden der Südvorstadt gab es dagegen nur stellenweise größere Schäden), ab 1953: groß angelegter Wohnungsbau (meist in traditioneller Ziegelbauweise) unter anderem an der Nürnberger Straße (wo dann vor allem Arbeiter des Wismut-Bergbaus einzogen), von hier aus erfasste der Wohnungsneubau nach und nach alle total- und teilzerstörten Gebiete der westlichen Südvorstadt, am Strehlener Platz: Neubau für die Ingenieurschule für Verkehrstechnik und Bau des Interhotels Astoria (erster Dresdner Hotelneubau nach dem Krieg, am Ort der 1945 ausgebrannten Städtischen Jugendherberge errichtet, in den 1990er Jahren abgebrochen), Bau zahlreicher Bildungs- und Forschungseinrichtungen unter anderem der Technischen Universität am mehrspurig ausgebauten Zelleschen Weg (entwickelte sich zu einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen Pirna und Meißen, mit der nach Westen fortlaufenden Nürnberger Straße und der Nossener Brücke gehört er zum Äußeren Dresdner Tangentenring - durch die Budapester Straße mit dem Inneren Stadtring verbunden) |
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