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Theaterplatzbereich
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Semperoper  (Spielstätte der Sächsischen Staatsoper)
Dresdner Semperoper am Theaterplatz
Lage: Nordwestseite des Theaterplatzes
Bauzeit, Architekt: 1871-1878, Gottfried Semper
Merkmale: eines der schönsten Opernhäuser Europas, bedeutendstes und großartigstes Bauwerk Gottfried Sempers, Stil der Neo-Renaissance mit barocken Elementen, erscheint sehr elegant, würdevoll und festlich (nicht zuletzt durch den Natursandstein der Fassade), Arkadenbau in der Form eines Segmentbogens, Funktionsteile des Gebäudes von außen zu erahnen: Foyer, seitlich angebaute Treppenhäuser, Zuschauerraum und 40 m hoher Bühnenturm (war ein Novum im Theaterbau, andere Theaterhäuser jener Zeit sind mit einer großen, die innere Raumaufteilung verbergenden, meist klassizistischen Fassade verkleidet), großes Rundfoyer (hinter der geschwungenen Fassade) als einer der prächtigsten Räume des Opernhauses, auch Treppenvestibüle und Wandelgänge üppig und prachtvoll mit Malerei, Dekor, Skulpturen, Säulen und Kronleuchtern nach Sempers Plänen ausgestaltet

www.semperoper.de   Führungen nach Vereinbarung (Dauer ca. 1 Stunde)

Portal der Semperoper
Bild: Portal der Semperoper mit tiefer halbrunder Exedra, ausgemalt mit den Drei Grazien zwischen Marsyas und Apollon (Künstler: Paul Kießling), Eingangsfront bekrönt mit einer bronzenen Panther-Quadriga (Johannes Schilling) mit Dionysos und Ariadne

Fassade der Semperoper
Bild: Skulpturen (Bildhauer Ernst Julius Hähnel) in den Fassadennischen der Semperoper: Shakespeare und Sophokles an der linken Fassade (Bild) sowie Molière und Euripides an der rechten Fassade (stammen von dem 1869 abgebrannten Ersten Hoftheater); Auf den Gesimsen der Semperoper stehen 16 weitere Figuren (u.a. Faust, Mephisto, Don Juan, Oberon und Titania; einige wurden beim Wiederaufbau der Semperoper neu anfertigt).
Sitzfiguren Goethe und Schiller am Eingang der Semperoper
Bilder: Sitzfiguren "Goethe" und "Schiller" (Bildhauer Ernst Rietschel) am Eingang der Semperoper (stammen von dem 1869 abgebrannten Ersten Hoftheater; das Hoftheater diente einst nicht nur als Opern-, sondern auch als Schauspielhaus)
Neubauten an der Rückseite der Semperoper
Bilder: moderne Funktionsbauten an der Rückseite des Opernhauses für Probebühnen, Garderoben und Verwaltungsräume (Werkstätten und Magazine sind auch im nahe gelegenen ehemaligen Marstall untergebracht)
Wandelgang in der Semperoper
Bild: Wandelgang in der Semperoper


Zuschauerraum der Semperoper
Bild: Zuschauerraum der Semperoper, edel ausgestaltet, gute Akustik

Erstes Hoftheater
Erstes Hoftheater
Lage: Theaterplatz (nahe des Standortes der späteren Semperoper)
Bauzeit, Architekten: 1838-1841, Gottfried Semper und Hofbaumeister von Wolframsdorf
Merkmale: heitere und klare Formen der Früh-Renaissance
Aus der Geschichte: ab 1835 geplant, 1837 vom Architekten Karl Friedrich Schinkel dem König empfohlen, ab 1838 gebaut, 1841 eröffnet (mit Carl Maria von Webers "Jubel-Overtüre" und Goethes Schauspiel "Torquato Tasso"), Wirkstätte u.a. von Richard Wagner (Kapellmeister 1843-1849), der Dirigenten Gottlieb Reissiger und Julius Rietz, der Sängerinnen Wilhelmine Schröder-Devrient, Jenny Ney, Aloyse Krebs-Michalesi, der Sänger Anton Mitterwurzer, Joseph Tichatschek, Ludwig Schnorr von Carolsfeld, der Schauspielerinnen Franziska Berg, Maria Bayer-Bürck, Pauline Ulrich und der Schauspieler Emil Devrient, Bogumil Dawison und Gustav Räder
1869: Zerstörung durch einen fahrlässig ausgelösten Brand

Gipsmodell für den Giebelschmuck "Die Musik" des Ersten Hoftheaters von Ernst Rietschel
Bild: Giebelschmuck "Die Musik" von Ernst Rietschel am Ersten Hoftheater (hier als Gipsmodell, die Sandsteinausführung fiel dem Brand des Hoftheaters 1869 zum Opfer)

Aus der Geschichte der Semperoper
1869: Brandzerstörung des Ersten Hoftheaters, Bau eines provisorischen Opernhauses hinter dem Zwinger (Ort der ersten Aufführungen des berühmten Dirigenten Ernst Edler von Schuch), Bewilligung eines Opernneubaus durch König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873), Gottfried Semper lehnte die Rückkehr nach Sachsen für den Wiederaufbau des Hoftheaters ab (hatte 1849 wegen seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand aus Sachsen fliehen müssen, war außerdem mit dem Bau des Wiener Kaiserforums - Hofburgtheater und Hofmuseen - ausgelastet), nahm den Auftrag zur Fertigung des Bauentwurfs aber dann - nach Bitten der "Kunstfreunde Dresdens" und einem Votum der Ständekammer 1870 - doch noch an, entwarf statt eines Baus von "zarter Feinheit" (Erstes Hoftheater) nun einen gravitätischen Prachtbau (der auch Elemente des 1864 geplanten, aber nicht gebauten Münchner Wagner-Festspielhauses zeigt): wirkt schwerer als das Erste Hoftheater, aber auch eleganter, würdevoller und festlicher, 1871-1878: Bau der Semperoper unter der Leitung von Manfred Semper (ein Sohn Gottfried Sempers, letzterer begleitete den Bau von Wien aus), Leitung der Dekorationsarbeiten durch Emanuel Semper (ebenfalls ein Sohn Gottfried Sempers), Mitwirkung fast aller bedeutender Dresdner Künstler jener Zeit an der plastischen und malerischen Ausgestaltung der Fassade und des Inneren, ab 1878: zunächst gemeinsame Nutzung durch Königliches Schauspiel und Königliche Oper (bis zum Bau des Albert-Theaters am Albertplatz im Stil der Neo-Renaissance im Jahr 1888 unter der Leitung von Bernhard Schreiber, 1948 abgebrochen), 1878-1914: Wirkstätte von Generalmusikdirektor Ernst Edler von Schuch, der Sängerinnen Therese Malten, Marcella Sembrich, Marie Wittich, Eva von der Osten, Elisabeth Rethberg, Meta Seinemeyer, Maria Cebotari und der Sänger Lorenzo Riese, Anton Erl, Karl Perron, Karl Scheidemantel und Friedrich Plaschke, 1918 (Ende der sächsischen Monarchie): Umbenennung der Königlichen Oper in Sächsische Staatsoper, 1922-1933: Wirkstätte von Generalmusikdirektor Fritz Busch, dann von Karl Böhm, Februar 1945: Zerstörung durch die englisch-amerikanischen Bombenangriffe, 1948: weitere Einstürze (trotz aufwendiger Sicherung der Bausubstanz), Bewahrung des Bauwerkes vor dem Abriss dank des Engagements des Architektenverbandes, einer großen Unterschriftensammlung der Arbeiter des Sachsenwerkes Niedersedlitz und vieler Künstler sowie eines Gutachtens des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, 1953-1955: Sicherungs- und Rohbauarbeiten (zur Hälfte durch Spenden Dresdner Bürger finanziert), 1977: Beginn des Wiederaufbaus (Leitung: Architekt Wolfgang Hänsch) nach den Plänen Sempers, aber mit leicht vergrößertem Bühnenturm, originalgetreue Wiederherstellung der Innenausstattung, 13. Februar 1985: Einweihung anlässlich des 40. Jahrestages der Zerstörung Dresdens mit einer festlichen Aufführung des "Freischütz" von Carl Maria von Weber (war am 31. August 1944 als letzte Aufführung vor der Zerstörung des Hauses gespielt worden)

Semperoper
Bild: Semperoper am Theaterplatz

Semperoper, davor der Zwingerteich
Bild: Semperoper, über den Zwingerteich gesehen

 Gottfried Semper (1803-1879)
Gottfried Sempergeboren am 29. November 1803 in Hamburg als fünftes von acht Kindern eines wohlhabenden Wollfabrikanten, wuchs in Altona (damals zu Dänemark gehörend) auf, studierte 1823-1830 in Göttingen, München und Paris, dreijährige Studienreise nach Italien und Griechenland (lernte klassische Bauwerke sowie italienische Renaissance-Architektur kennen), 1834 vom sächsischen Innenministerium als Professor für Architektur an die Kunstakademie Dresden berufen (seit dem Tod von Joseph Thürmer war dort diese Professorenstelle frei, eine Berufung Schinkels scheiterte), nicht zuletzt, weil Semper großartige Zeichnungen und Studienblätter aus Südeuropa sowie eine Empfehlung seines ehemaligen Lehrers Franz Christian Gau (Pariser Star-Architekt) vorweisen konnte, bezog eine Wohnung am Altmarkt, heiratete 1835 Bertha Thimmig (aus einer sächsischen Offiziersfamilie stammend), Semper galt als dynamisch, scharfsinnig und beharrlich, manchmal auch impulsiv, konnte einige seiner unter Franz Christian Gau erlebten Neuerungen einführen (z.B. ein neues Ateliersystem und eine neuartige, praktisch orientierte Ausbildung), arbeitete auch als Prüfer und Gutachter der städtischen Baubehörde, zog 1839 in die Waisenhausgasse um, Studienaufenthalte in Paris, Mailand und Venedig, um 1842 am Bau der Kaserne in Bautzen und am Wiederaufbau der abgebrannten Hamburger Innenstadt beteiligt

Beispiele aus Sempers Dresdner Schaffensperiode (1834-1849): Denkmal für König Friedrich August I., Antikensäle im Japanischen Palais, Villa für Chemiker Houpe, Villa für Juwelier Elimeyer, Villa Rosa (1838-1840) für Bankier Oppenheim (von Semper als seinen bis dahin gelungensten Bau bezeichnet, seine Villen- und Palais-Architektur wurde beispielgebend), Maternihospital (Altersheim für Frauen), Dresdner Synagoge (1838-1840), Erstes Hoftheater (1838-1841), Galeriegebäude (1847-1854, Sempergalerie / Elbseite des Zwingers)

Bei seinem etwa 15jährigen Wirken in Dresden wurde Gottfried Semper mit den Dresdner Verhältnissen nie richtig warm. Als Baumeister und Architektur-Theoretiker fand er hier jedoch eine große Beachtung. Wohl nur deshalb blieb er in Sachsen. Seinen lebensfrohen Stil der italienischen Neo-Renaissance empfanden Sempers Zeitgenossen als Befreiung von den strengen Formen des Klassizismus, der in Sachsen auch nie große Beliebtheit erlangte. Semper vermochte es auch, seinen Stil bis zu einem gewissen Grade auf den Dresdner Barock abzustimmen.

trat 1848 dem sächsischen Vaterländischen Verein bei (der sich für die liberale Reichsverfassung der Frankfurter Nationalversammlung einsetzte), wurde 1849 Mitglied des achtköpfigen Führungsausschusses der bürgerlichen Scharfschützenkompanie (einer revolutionären Bürgergarde), spielte eine bedeutende Rolle beim Dresdner Maiaufstand von 1849 (entwarf auch die uneinnehmbare Hauptbarrikade in der Wilsdruffer Gasse und befehligte die Barrikade in der Waisenhausstraße unweit seiner Wohnung), floh nach der Niederschlagung des Aufstandes zunächst nach Pirna, dann über Frankfurt, Heidelberg und Karlsruhe nach Paris, wurde von der sächsischen Polizei steckbrieflich gesucht und wegen "unerlaubter Abwesenheit" aus dem Staatsdienst entlassen (ebenso wie z.B. Komponist Richard Wagner, der sich ebenfalls am Aufstand beteiligt hatte und geflohen war), ab 1850 setzte Georg Hermann Nicolai als Nachfolger Sempers dessen Bautradition in Dresden fort

Semper übernahm 1855 nach einem Londoner Exil die Professur für Baukunst in Zürich, 1863 wurde der im Gebiet des Deutschen Bundes gültige Haftbefehl gegen ihn aufgehoben, Semper wirkte am Bau des Wiener Kaiserforums (Hofburgtheater, Hofmuseen) mit, zog sich 1877 vom Wiener Baugeschehen zurück, litt an starkem Asthma, kam ein letztes Mal nach Dresden, zog nach Rom um, starb am 15. Mai 1879, beigesetzt auf dem Cimiterio Protestante an der Cestius-Pyramide, Grabmal (von Sohn Manfred entworfen) 1883 eingeweiht


Literatur
Nerdinger, Winfried und Werner Oechslin (Hrsg.) 2003: Gottfried Semper 1803-1879. Prestel-Verlag, 520 S., 680 Abb., 75 EUR

Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Der Architekt und die Stadt - Gottfried Semper zum 200. Geburtstag. Dresdner Hefte Nr. 75, 100 S., 4 EUR

Helas, Volker 2003: Sempers Dresden - die Bauten, die Schüler und die Folgen. Sandstein-Verlag, 25 EUR

Fröhlich, Martin 1991: Gottfried Semper. Artemis/Pattmos Düsseldorf


www.gottfriedsemperclub.de


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