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Stadtteil Loschwitz Das Loschwitzer Gebiet Im Gebiet der Dresdner Neustadt reicht die Heidesandterrasse bis an die Elbe heran. Dann nimmt die Bautzner Straße im Süden der Dresdner Heide, im Bereich Mordgrundbrücke, den Steilanstieg hoch auf die Lausitzer Granodioritplatte. Bei Loschwitz tritt die Lausitzer Platte bis an den Elbestrom heran, was zu einem sehr bewegten Relief mit Höhenunterschieden von bis zu 150 m führt. Diese reizvolle Landschaft ist von steilen Hängen und engen Kerbtälern wie dem Wachwitzgrund, dem Helfenberger Grund, dem Keppgrund und dem Friedrichsgrund geprägt. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Gegend um Loschwitz zu einem beliebten Wohn- und Naherholungsgebiet mit zahlreichen Sommerhäusern und vornehmen Villenvierteln. Die im Gebiet Weißer Hirsch (ab 1883), an der Alpenstraße (ab 1904) und im Wachwitzer Höhenpark (ab 1918) gebauten Sanatorien ließen Loschwitz und Umgebung auch zu einem bedeutenden Kurortgebiet werden. Erst weiter flussaufwärts, hinter Niederpoyritz, tritt der Steilhang der Schönfelder Hochfläche wieder etwas weiter vom Elbestrom zurück. Auf der hier breiteren Niederterrasse sind unter anderem das Wasserwerk Hosterwitz, die Kirche "Maria am Wasser" und das Schloss Pillnitz mit seiner herrlichen Garten- und Parkanlage zu finden. Im rechtselbischen östlichen Stadtgebiet standen schon in slawischer Zeit (ca. 600-1000 u.Z.) mehrere Dörfer am Elbufer. Deren Bewohner lebten unter anderem von der Elbefischerei und vom Weinbau an den sonnigen Südhängen. Für die Acker- und Weidewirtschaft ließ die schmale Niederterrasse am Strom dagegen nur wenig Platz. In späterer Zeit leisteten die Bewohner auch Dienste bei der kurfürstlichen Jagd in der nahen Dresdner Heide. An den Bachläufen waren zahlreiche Mühlen in Betrieb. Das steile Gefälle sorgte für ausreichend Wasserkraft zum Antrieb der Mühlräder. Hier mahlten die Ackerbauern des (heute zur Dresdner Ortschaft Schönfeld-Weißig gehörenden) fruchtbaren nördlichen Vorlandes ihr Getreide. Um 1885 bereitete die eingeschleppte Reblaus dem Weinbau im Elbtal ein vorläufiges Ende. Zahlreiche Weingärten wurden danach in Villengrundstücke umgewandelt. Alte Weinbergmauern, Winzerhäuschen und Bergterrassen sowie eine fast 5 m hohe Weinbergsäule (Veilchenweg 9b) erinnern an die einstige Weinwirtschaft in dem heute bebauten Gelände. Loschwitz
Auf dem Loschwitzer Burgberg befand sich ein spätslawischer Burgwall, von dem noch Reste vorhanden sind. Zu dessen Füßen (im Bereich Friedrich-Wieck-Straße) lag ein sorbischer Rundweiler, aus dem das Platzdorf Loschwitz, ein Winzerdorf, hervorging. Zu den Besitzern der Weinberge um Loschwitz zählten neben weltlichen Grundherren auch die Dresdner Augustinermönche, die Pirnaer Stadtkirche und das im 13. Jahrhundert gegründete Dresdner Maternihospital. Ab 1569 wird von umfangreichen Rodungen für neue Weingärten berichtet. Edelleute und wohlhabende Bürger wie der Hofkapellmeister Heinrich Schütz, Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel und Hofjuwelier Melchior Dinglinger richteten sich hier ihren Sommersitz ein. Im Pestjahr 1680 dienten die Weingärten als Zufluchtsort für vermögende Dresdner Familien. Zwischen 1705 und 1708 errichtete Johann Gottfried Fehre d.Ä. die Loschwitzer Kirche. Die Entwürfe für diesen Putzbau mit abgewalmtem Mansarddach, einem achteckigen Dachreiter, sandsteinumrahmten Fenstern, von Steinquadern betonten Ecken und einem reich geschmückten Sandsteinportal an der Elbfront mit einer darüber angebrachten großen Sonnenuhr stammen von George Bähr. Wie dann auch bei seiner Frauenkirche wählte George Bähr für die Loschwitzer Kirche die Gestalt eines achteckigen barocken Zentralbaus. Zu der recht einfachen Innenausstattung des achteckigen Saalbaus gehört ein Kanzelaltar. ![]() Im Jahr 1945, wenige Wochen vor Ende des Krieges, brannte die Loschwitzer Kirche aus. Im Jahr 1990 begann der originalgetreue Wiederaufbau, der vor allem aus Spendenmitteln und Einnahmen aus Benefizkonzerten Dresdner Künstler wie Theo Adam und Peter Schreier finanziert wurde. Die Kirchweihe fand zum Erntedankfest 1994 statt. ![]() An der Grundstraße 26 steht ein gelbes Fachwerkhaus, dessen von Charles Palmié gestaltete Fassade mit Malerei und zahlreichen Sinnsprüchen, Plastiken und Bildnissen geschmückt ist. Der kleine Turm wird von einem Atlanten getragen. Seit 1905 ist in diesem Haus das Leonhardi-Museum eingerichtet, in dem unter anderem Bilder des Landschaftsmalers Eduard Leonhardi (1828-1905; Sohn des Tintenfabrikanten August Leonhardi) ausgestellt sind. Er hatte sich das auch "Rote Amsel" genannte Haus im Jahr 1879 aus der Hentschel-Mühle, einer alten Wassermühle, in "altdeutscher Art" umbauen lassen.
Seit 1884 steht im Garten neben dem Leonhardi-Museum ein Denkmal für Ludwig Richter (1803-1884). Dieser berühmte Maler der Romantik hatte sich zwischen 1852 und 1884 fast jeden Sommer hier in Loschwitz aufgehalten. Eduard Leonhardi gehörte an der Kunstakademie zu Ludwig Richters Schülern. Das Leonhardi-Museum steht Dresdner Künstlern für Ausstellungen zur Verfügung. Schon zu Lebzeiten des Landschaftsmalers konnten mittellose junge Künstler hier arbeiten und Besuchern ihre Bilder zeigen. Auch der berühmte deutsche Impressionist Robert Sterl (Museum in Naundorf) lebte eine Zeit lang hier. Den Namen "Rote Amsel" (rote Vogel-Figur auf einer Laterne am Haus) gaben die Künstler ihrem Haus in Anklang an den Amselsee in der Sächsischen Schweiz, der von Loschwitz über den historischen Künstler-Weg zu erreichen ist und den hier lebenden Künstlern häufig als Wanderziel diente. Das aus dem Jahr 1697 stammende "Fährgut" (Friedrich-Wieck-Straße 45), ein Fachwerkhaus, gehört zu den wenigen verbliebenen Altloschwitzer Gebäuden. Am Haus sind alte Hochwasserstandsmarken zu sehen. Das Fährgut war zugleich ein Weingut. Im Anbau "Presse" war bis 1839 eine Weinpresse in Betrieb. Zum Grundstück gehört auch das Fährhaus an der Elbe, ein Fachwerkhaus mit Mansarddach, in dessen Untergeschoss man die Fähre bei Hochwasser einziehen konnte. Das im Jahr 1648 gebaute Fachwerkhaus Friedrich-Wieck-Straße 18 gehörte früher zu den Gebäuden der Loschwitzer Erbschänke. Friedrich Wieck (1785-1873) war Musikpädagoge in Leipzig. Nach der Hochzeit seiner Tochter Clara mit Robert Schumann zog er nach Dresden. Das Haus Friedrich-Wieck-Straße 10 ist sein Sterbehaus. Das Gebiet um den Körnerplatz erlebte mehrere verheerende Überschwemmungen wie z.B. in den Jahren 1784, 1799, 1845 und 1890. In den Jahren 1844, 1875 und 1876 wird auch von schweren Verwüstungen der Weinberge durch sintflutartige Regenfälle berichtet. Der an der Friedrich-Wieck-Straße stehende Rundbau enthält ein von Josef Hermann im Jahr 1869 geschaffenes Marmorrelief, das die Rettung von Menschen aus den Hochwasserfluten darstellt. Der alte Hafen am Körnerweg entstand im Jahr 1862. Die Pillnitzer Landstraße wurde im Jahr 1885 ausgebaut. ![]() Das Künstlerhaus (Pillnitzer Landstraße 59) gehört zu den frühesten Jugendstil-Bauwerken Dresdens. Der Loschwitzer Architekt Martin Pietzsch errichtete es in den Jahren 1897/98 als Wohnhaus für Maler und Bildhauer mit 16 Wohnungen und Ateliers. Auf dem nahe gelegenen Loschwitzer Friedhof fanden einige der hier tätigen Künstler ihre letzte Ruhestätte. Ihre Grabstätten zeichnen sich durch bedeutende Bildhauerarbeiten aus. Am östlichen Uferhang des Stechgrundbaches (Mordgrundbaches) steht das Sommerhaus von Johann Melchior Dinglinger (Schevenstraße 59), des berühmten Hofjuweliers Augusts des Starken. Es ist an seiner goldenen Kuppel mit Wetterfahne zu erkennen. Nicht weit entfernt, nahe der Mündung des Stechgrundbaches, ist an einer Stützmauer ein Gedenkstein für Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel zu finden. Sehenswert sind auch die in den Jahren 1848 bis 1853 in der Gestalt eines normannischen Kastells gebaute Villa Schillerstraße 4 und die im Jahr 1852 errichtete Villa Thorwald (Schillerstraße 12). Letztere war von ihrem Erbauer, Bildhauer Josef Hermann, nach dessen Lehrer, dem dänischen Künstler Bertel Thorwaldsen, benannt worden. An der Schillerstraße ist auch das Schillerhäuschen zu finden.
Schillerhäuschen, Schiller-Körner-Brunnen ![]()
Friedrich von Schiller (1759-1805) siedelte im September 1785 von Leipzig nach Dresden über. Der Dresdner Jurist, Literaturkritiker und Kunstmäzen Christian Gottfried Körner (1756-1831) erkannte das Talent Schillers sofort und unterstützte diesen großzügig mit Geld, womit er den Dichter aus großer finanzieller Not rettete. Die Figur der "Gustel von Blasewitz" in Schillers Drama "Wallensteins Lager" erinnert an die Dresdner Zeit des Dichters (Blasewitz ist ein Stadtteil von Dresden). In dem von Körner zwischen 1783 und 1793 bewohnten Stadthaus (Körnerstraße 7) - dem später Körnerhaus genannten Gebäude, das bis zur Zerstörung im Februar 1945 am ehemaligen Kohlmarkt (östlich des Japanischen Palais) stand - herrschte ein reges Geistesleben, das insbesondere die Ideale des Klassizismus vertrat. Hier waren unter anderem Goethe (1790), Zelter, Herder, Kleist, Novalis, Wieland, die Brüder Humboldt, die Brüder Schlegel, Friedrich Schleiermacher, Ludwig Tieck und Wolfgang Amadeus Mozart (1789) sowie Heinrich von Kleist, Ernst Moritz Arndt und der Freiherr von Stein zu Gast. Schon bald wurde Schiller der - auch von vielen anderen Künstlern beklagten - engstirnigen Verhältnisse in der sächsischen Residenzstadt überdrüssig. Im Juli 1787 zog er nach Weimar um, wo seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Johann Wolfgang von Goethe begann. Im Jahr 1801 war er noch einmal in Dresden zu Gast. Das an der Loschwitzer Schillerstraße stehende Schillerhäuschen ist ein ehemaliges Gartenhaus. Das Grundstück gehörte der Familie Körner, die den Weinberg im Jahr 1785 als Sommerwohnsitz erworben hatte. In dem Gartenhaus soll Schiller am Stück "Don Carlos" und an der berühmten "Ode an die Freude" gearbeitet haben. Belegt ist aber nur, dass er sich in den Sommermonaten in Körners Sommerhaus unten am Loschwitzer Weinhang aufhielt und ansonsten in seiner Dresdner Stadtwohnung arbeitete (im Park hinter dem Barockhaus an der Großen Meißner Straße markiert eine Gedenktafel den Standort jenes Hauses). Ob er sich je im Gartenhäuschen oben auf dem Weinberg aufgehalten hat, ist dagegen ungewiss. Wie das Körner-Museum sind auch viele Akten, die darüber nähere Auskunft geben könnten, ein Opfer des Zweiten Weltkrieges geworden. Beim Verkauf des Grundstückes im Jahr 1818 an den Verlagsbuchhändler Vetter wird das Gartenhäuschen nicht erwähnt. Möglicherweise wurde es im Jahr 1813, während des Napoleonischen Krieges, zerstört. Oder man hat es überhaupt erst um 1820 gebaut und nachträglich zu Schillers Arbeitshäuschen deklariert. Im Jahr 1823 erschien in "Beckers Taschenbuch für gesellige Stunden" der Kupferstich "Pavillon auf Körners Weinberg, wo F. v. Schiller wohnte", womit aber auch allgemein Körners Weinberg als Aufenthaltsort Schillers gemeint sein könnte und die Zeitgenossen das Gartenhäuschen dann schlicht mit dem Weinberghaus, wo sich Schiller nachweislich aufhielt, verwechselten. Die im Jahr 1855 zum 50. Todestag Schillers am Gartenhäuschen angebrachte Gedenktafel sollte eigentlich das Weinberghaus zieren, was damals jedoch am Widerspruch der Besitzerin, die um ihre Ruhe fürchtete, scheiterte. ![]()
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