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Stadtteil Johannstadt
Lage: zwischen der Elbe im Norden, der Krenkel- und Huttenstraße im Osten, dem Großen Garten im Süden sowie der Sachsenallee und der Güntzstraße im Westen
Merkmale: nach König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873) benannt, sandige Ebene, von einem flachen Elbe-Altarm durchzogen (verläuft von Striesen kommend über den Bereich Holbein- und Dürerstraße bis zur Pirnaischen Vorstadt), dessen schwerer Aulehmboden wurde einst von mehreren städtischen Ziegeleien genutzt, im Elbe-Altarm floss bis 1875 der Landgraben (künstlich geschaffener bzw. umgestalteter Entwässerungsgraben, streckenweise auch als Flutgraben genutzt, diente einst auch als Verteidigungslinie gegen Angreifer), etwas höhere Sandkuppen im hochwassergefährdeten grundfeuchten Johannstädter Gelände sind der Windmühlenberg (zwischen der Dürer- und der Wormser Straße gelegen) und der Tatzberg (nahe der Elbe gelegen) |
Aus der Geschichte der Johannstadt
Nachweis jungsteinzeitlicher Siedlungen durch archäologische Bodenfunde, 1310: Erwähnung einer sorbischen Siedlung Ranuoltycz (deutsch-altsorbisch: Leute des Ranwalt), 1316: letztmalige Erwähnung des Dorfes Ranvoltitz (lag wahrscheinlich im Bereich der Striesener Straße/Abzweig Hans-Grundig-Straße), ein großer Teil der Flur (auch Weinhänge am Tatzberg und Waldstücke im Tännicht) waren im Besitz des Maternihospitals (Namen wie "Spittelfelder" oder "Spittelholz" erinnern daran), auch die Kreuzkirche und das Augustinerkloster besaßen hier Grundstücke, 1640: Gründung des Vorwerkes Tatzberg (erlangte das Schankrecht, Schenke ab 1742 "Lämmchen" genannt), Abtrennung einiger Güter aus dem Grundbesitz des Vorwerks (z.B. Hopfgartens Vorwerk im Gebiet zwischen dem Bönischplatz und der Gerokstraße, war nach 1813 Gut der Familie Lidecke mit einem gern besuchten Wintergarten, die Straßennamen "Wintergartenstraße" und "Hopfgartenstraße" erinnern daran), 1737: Kauf eines Gutes (später "Stückgießers" genannt) durch Glocken- und Stückgießer Johann Gottfried Weinhold mit einer Schenke an der Blumenstraße (ab 1866 "Güldene Aue" und ab 1901 "Blumensäle" genannt), 1754: Bau des Schlösschens "Antons" (Stil des Spätbarock, zwischen mächtigen mistelbewachsenen Balsampappeln am Ort eines aufgegebenen Kalkofens am Elbufer unterhalb der Hertelstraße gegenüber dem Waldschlösschen gelegen, war ein Wahrzeichen der Elbaue) für Christian Gottlieb Anton (Oberinspektor der erzgebirgischen Elsterflößerei), zeitweise war hier eine Gaststätte eingerichtet
1866: Bau einer preußischen Schanze, Abbruch von Vorwerksgebäuden, 1868: Neubau der Schenke an der Blasewitzer Straße 48, 1872: Inbetriebnahme der Pferdebahn zwischen Dresden und Blasewitz, 1874: Aufhebung des Bauverbots im Umfeld des Königlichen Großen Gartens (bis dahin hatte es im Johannstädter Gebiet nur einige Güter und verstreute Häuser gegeben - bes. am Anfang der Gerokstraße und am Königsheimplatz - sowie nur wenige Fahrwege wie Lämmchenweg/Blumenstraße, Blasewitzer Weg und die Striesener Straße), Bau der Grunaer Straße in der Pirnaischen Vorstadt, massive Bodenspekulationen, schnelle Ausbreitung der Wohnsiedlungen (u.a. Häuser in offener Bauweise im Gebiet Stübelallee und meist vierstöckige Mietskasernen in geschlossener Front an der 1876 angelegten Pfotenhauerstraße), Verlegung der um 1870 aus der Pirnaischen Vorstadt in die Johannstadt verdrängten Großgärtnereien weiter nach Osten, 1875-1877: Bau der Albertbrücke (direkte Straßenverbindung zur Neustadt)
1878: Inkrafttreten eines Ortsgesetzes (Verbot von Fabrikbauten in der Johannstadt mit Ausnahme einiger Anlagen an der Blasewitzer Straße, aber Entstehung zahlreicher kleiner Gewerbebetriebe in den Hintergebäuden und Höfen z.B. solcher des graphischen Gewerbes sowie der Photo- und der Zigarettenindustrie), 1878: Gründung des Carolahauses (medizinische Einrichtung) in alten Pavillons an der Gerokstraße, 1894: Bau des Krankenhauses St.-Joseph-Stift, 1898-1901: Bau des Johannstädter Krankenhauses (10 Kranken- und 6 Wirtschaftsgebäude) durch Stadtbaurat Edmund Bräter im Birkenwäldchen des ehemaligen Maternifeldes (ab 1954 "Medizinische Akademie Carl Gustav Carus" genannt), Bau einer Staatlichen Frauenklinik und eines Bürgerheims im Umfeld des Krankenhauses, um 1900: Zusammenwachsen der Siedlungsgebiete Johannstadt und Striesen, 1903-1907: Bau der Kunstgewerbeakademie (Kunstgewerbeschule und Kunstgewerbemuseum) an der Güntzstraße, 1910/11: Bau des Stadthauses am Güntzplatz durch Stadtbaurat Hans Erlwein, nach 1920: Gründung der Technischen Lehranstalten (später Ingenieurhochschule), Bau des Postamtes (später Bezirksdirektion der Deutschen Post), 1922: Einrichtung eines städtischen Freibades in der Nähe von "Antons"
Februar 1945: Zerstörung der Johannstadt durch die englisch-amerikanischen Bombenangriffe bis auf einige wenige Häuser (z.B. einige am Bönischplatz, am Thomas-Müntzer-Platz und am Stresemannplatz, deren Historismus- und Jugendstil-Fassaden wurden nach 1990 sorgfältig restauriert), größte zusammenhängende Trümmerfläche Dresdens, Aufschüttung des Johannstädter Elbufers (auch des Festplatzes "Vogelwiese") mit großen Mengen Trümmerschutt, Betrieb einer Trümmerverwertungsanlage am Dürerplatz und eines Betonwerkes am Standort des zerstörten Carolahauses, Ende der 1950er Jahre: Beginn des Wiederaufbaus, Anfang der 1970er Jahre: Bau der Wohngebiete Johannstadt-Nord und Johannstadt-Süd mit großen Wohnblöcken, Neubauten längs der Güntzstraße für die Technische Universität und die Ingenieurhochschule |
Trinitatiskirche (Ruine seit 1945)
Lage: Trinitatisplatz (Johannstadt)
Bauzeit, Architekt: 1891-1894, Karl Barth
Merkmale: Stil der Neo-Renaissance
Nutzung: u.a. Jugendarbeitsprojekte sowie Konzerte und Gottesdienste unter freiem Himmel
Aus der Geschichte: 1887: Ausgründung einer neuen Kirchgemeinde (Trinitatisgemeinde) aus der zu groß gewordenen Johannesgemeinde (erster Gottesdienst am 22.01.1888), 1891-1894: Bau der Trinitatiskirche, 1902: Einweihung der kleinen neobarocken Andreaskirche am Stephanienplatz als Außenstelle der Trinitatisgemeinde, 1904: Verselbstständigung der Andreasgemeinde, Februar 1945: Zerstörung der Trinitatis- und der Andreaskirche durch die englisch-amerikanischen Bombenangriffe (nicht wieder aufgebaut, Ruine der Trinitatiskirche in der erhaltenen Bausubstanz gesichert), 1945: Vereinigung von Andreasgemeinde und Erlösergemeinde (letztere hatte ihre Kirche ebenfalls verloren), 2000: Vereinigung von Erlöser-Andreas-Gemeinde und Trinitatisgemeinde zur Johanneskirchgemeinde
www.johanneskirchgemeinde.de www.freewebs.com/johannes-kantorei/chronik.htm |
Trinitatisfriedhof, Neuer Jüdischer Friedhof
Aus der Geschichte: 1813/14 (Zeit der Napoleonischen Kriege): Anlage eines neuen Friedhofes östlich von Dresden wegen der hohen Sterblichkeit in jener Zeit, "Weiter Friedhof" genannt (er lag damals noch weit vor der Stadtgrenze Dresdens), Entwürfe der Friedhofsanlage (am Vorbild des Herrnhuter Friedhofes orientiert) durch Hofbaumeister Gottlob Friedrich Thormeyer (davon wurden allerdings nur wenige Teile wie der Eingangsbereich realisiert), Übernahme einiger Denkmäler des alten Johannisfriedhofes, 1834: Umbenennung in Trinitatisfriedhof, 1866: Einrichtung des Neuen Jüdischen Friedhofes neben dem Trinitatisfriedhof (viele Grabinschriften erinnern hier an das Leid der jüdischen Gemeinde zwischen 1933 und 1945), Wiederherstellung des Neuen Jüdischen Friedhofes nach 1945 durch die Stadt Dresden (Ausbau der Halle bis 1959 zur Synagoge als Ersatz für die 1938 von den Nationalsozialisten verbrannte Alte Synagoge)
Ruhestätten bedeutender Dresdner Persönlichkeiten auf dem Trinitatisfriedhof: u.a. Ernst Rietschel (1804-1861, Bildhauer), Ferdinand von Rayski (1806-1890, Maler), Caspar David Friedrich (1774-1840, Maler, er hatte viele der hier stehenden Grabmäler entworfen und das Friedhofstor als Vorlage für sein Gemälde "Friedhofseingang" gewählt), Carl Gustav Carus (1789-1869, Philosoph, Arzt und Maler), Constantin Lipsius (1832-1894, Architekt, Professor der Kunstakademie), Friedrich Wieck (1785-1873, Musiker), Karl Gottlob Reißiger (1798-1859, Musiker), Wilhelmine Schröder-Devrient (1804-1860, Sängerin), Therese Malten (1855-1930, Sängerin), Otto Ludwig (1813-1865, Dichter), 10 m hoher Obelisk für 76 Opfer des Maiaufstandes von 1849 |
Kunstgewerbeakademie
Lage: Güntzstraße (Johannstadt)
Bauzeit, Architekten: 1903-1907, William Lossow, Hermann Viehweger
Merkmale: großer Gebäudekomplex im Stil des Neobarock mit 4 Höfen, Fassade mit Jugendstil-Elementen und älteren barocken Bauteilen geschmückt (letztere stammen vom Palais Brühl, das für den Bau des Ständehauses abgebrochen worden war), die bei den Bombenangriffen im Februar 1945 ausgebrannten Bereiche wurden nach dem Krieg in vereinfachter Gestalt erneuert
Nutzung: ursprünglich Kunstgewerbeschule und Kunstgewerbemuseum, nach dem Krieg Sitz mehrerer Abteilungen der Hochschule für Bildende Künste sowie Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen und Studiendepot des Münz-Kabinetts (die beiden letzteren sind inzwischen in das wiederaufgebaute Residenzschloss umgezogen) |
 Bild: Kunstgewerbeschule um 1900 (nach einem alten Foto, verändert)

Bilder: Eck-Pavillon und Portal der Kunstgewerbeakademie
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