Japanisches Palais

In der Inneren Neustadt, nur wenige Schritte vom Elbufer entfernt liegt das Japanische Palais. Hier befinden sich das Museum für Völkerkunde und die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen. Das Haus wird von der glanzvollen Altstadtseite etwas in den Schatten gestellt. Dabei hat es mit einer langen Geschichte aufzuwarten, in der nicht nur August der Starke eine glanzvolle Rolle spielte. Das imposante Gebäude, dem die Sehenswürdigkeiten rund um den Theaterplatz etwas die Show stehlen, ist durchaus einen Besuch wert. Und das nicht nur wegen der Schätze, die das Haus beherbergt.

Ein bisschen Barock, ein bisschen japanisch

Das Japanische Palais ist ein klein wenig multikulti. Etwas Barock verbunden mit klassizistischen Elementen und asiatischen Formen. Barock ist die Vierflügelanlage, die mit klassizistischen Stilelementen geschmückt ist. Dach und Skulpturen zeigen asiatischen Formen im damals modernen chinoisen Stil. Chinoiserie ist ein vor allem im 18. Jahrhundert populärer Baustil, der an chinesische Vorbilder angelehnt ist und trotzdem europäische Züge trägt.

Heute beherbergt das Haus zwei Museen und seit 2009 auch eine Sonderausstellung der Kunstsammlung Dresden.

Ein Blick in die Geschichte des Japanischen Palais

Einst war das Palais nicht weiter als ein Landhaus. Das Haus wurde 1715 von Rudolph Fäsch für den Grafen Jakob Heinrich von Flemming gebaut. Ende 1715 bezog der holländische Gesandte Harsolde von Craneburg das Haus, das von diesem Augenblick an als Holländisches Palais bezeichnet wurde. Im Jahre 1717 ging das Haus an August den Starken über, der schon lange ein Auge auf das Palais geworfen hatte. Hier sollte sein Traum von einer Porzellan- und Kunstsammlung wahr werden. Die gesamte Innenausstattung und auch die Dächer sollten aus Porzellan gefertigt werden. Das Palais gehört zu den Meisterwerken im Dresdner Barock und spielt durchaus eine Hauptrolle. Der Kurfürst August der Starke gab am 10. September 1719 hier ein prunkvolles Fest, zu dem die Räumlichkeiten mit vielen Porzellanfiguren ausgestattet wurden. Die Vision von einem Porzellanschloss erfüllte sich aber nicht.

1722 ging das Palais wieder an Flemming zurück. Die in den Räumlichkeiten befindlichen Porzellanfiguren gingen mit in seinen Besitz über. Doch das Interesse des Kurfürsten für das Haus war immer noch da. Und so nahm er es 1726 zurück und gab den Umbau in Auftrag. Von 1727 bis 1733 wurde das Haus umgestaltet. Mit dem Umbau wurden die Architekten Pöppelmann, Knöffel, Longuelune und de Bodt beauftragt. Aus dem ursprünglichen Landhaus wurde ein pompöser Vierflügler im Stil des Spätbarocks/Klassizismus. Für sein Dach, das nach fernöstlichem Vorbild gebaut wurde, erhielt das Haus den Namen Japanisches Palais. Doch nicht nur das Dach mutet exotisch an. Auch Figuren im asiatischen Stil wurden geschaffen.

Das Palais wurde im Siebenjährigen Krieg erheblich zerstört und nur mit geringen Mitteln wieder aufgebaut. Erst 1782 bis 1786 bauten Christian Friedrich Exner und Gottlob August Hölzer das Palais zum Museum um. Aus dieser Zeit stammt auch die Inschrift „Museum usui publico patens“ – Museum zum öffentlichen Gebrauch. Um 1785 zogen in das Japanische Palais die Münzsammlung, die kurfürstliche Bibliothek und die antiken Skulpturen ein. Einst befanden sich hier das Federzimmer, das sich jetzt in Moritzburg befindet, und Gobelins nach Raffael, die sich in der Gemäldegalerie Alte Meister befinden, zum Haus.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Auch das Japanische Palais viel den Bombenächten zum Opfer. Englische und amerikanische Bomben verwüsteten den am Palais befindlichen Park. Das Japanische Palais selbst brannte fast völlig aus. Der Wiederaufbau begann 1951 und dauerte bis 1987 an. Bis 1979 wurden die im Erdgeschoss befindlichen Antiksäle wieder hergestellt. Die pompejanische Wandmalerei wurde originalgetreu rekonstruiert. Die Säle „Saal der Herkulanerinnen“ und „Saal der Satyrisken“ entstanden nach altem Vorbild. Auch der dazugehörige Palaisgarten wurde 1984/85 wieder hergestellt.

Museen von Völkerkunde bis Geologie

Im Laufe der Jahre hatten einige Ausstellungen hier ihren Platz. Bis 2012 befand sich hier das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden, das zum Landesamt für Archäologie Sachsen gehört. Seit 1954 gehört auch das Museum für Völkerkunde zum Haus. Hier sind über 90.000 Objekte aus allen Teilen der Erde zu bestaunen. Die ältesten Objekte stammen aus der Kunstkammer von August von Sachsen, der bereits um 1560 seiner Sammelleidenschaft nach gab. Einen enormen Zuwachs erhielt die Sammlung durch August dem Starken, der ein Faible für interessante Dinge hatte. Eines der schönsten Objekte ist das Dresdner Damaskuszimmer, ein Raum, der mit osmanischer Holzvertäfelung von 1810 gestaltet ist.

Seit dem Jahr 2001 gibt es im Japanischen Palais auch Ausstellungen des Museums für Mineralogie und Geologie Dresden.

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