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Stadtteil Hosterwitz, Keppgrund
Pfarrkirche "Maria am Wasser"
Bauzeit: 1406 erstmals urkundlich erwähnt (der vermauerte romanische Türbogen an der Elbseite deutet auf eine noch frühere Entstehungszeit hin), 1497-1500 (Umbau im Stil der Gotik), 1704 (Vergrößerung, Umbau in eine schlichte Barockkirche), 1774 (Erneuerung, Bau des Dachreiters und der doppelgeschossigen hölzernen Emporen im Saal)
Merkmale: schlichter einschiffiger Kirchenbau, kleiner achteckiger Dachreiter über dem Westgiebel mit zwiebelförmiger barocker Turmhaube, Saal mit gekehlter Flachdecke, Kanzelaltar (1644) mit einem Abendmahlrelief von Conrad Buchau, alter Kirchhof mit Lebensbäumen, Eschen und Weiden bewachsen, gilt als einer der stimmungsvollsten Friedhöfe im Dresdner Raum, Grabmale (18. und 19. Jahrhundert) unter anderem von adligen Hofbeamten, zum Teil künstlerisch sehr wertvoll, Schutz der Kirche und des Friedhofes vor dem Elbehochwasser durch eine alte Steinmauer
Aus der Geschichte: einst auch Schifferkirche genannt (in Hosterwitz legten die Elbeschiffer eine Rast ein, um in der Kirche für das Gelingen ihrer Fahrt zu beten, an der Hosterwitzer Elbfurt fand auch Warenumschlag statt), ab 1638: Erwähnung des Hosterwitzer Pfarrers als Prediger der seit 1596 bestehenden Pillnitzer Schlosskapelle
www.maria-am-wasser.de |
Keppgrund und Keppmühle
Keppbach: entspringt auf der Schönfelder Hochfläche, ca. 5 km lang, fast 100 m tiefer verlässt er den ab der Keppmühle sehr steilen Keppgrund, mündet nahe der Hosterwitzer Kirche in die Elbe
Keppmühle (Ort Rockau): seit 1595 bekannt, das heutige Gebäude stammt einer Inschrift zufolge von 1781, Carl Maria von Weber spazierte von seinem Hosterwitzer Sommersitz häufig zur Keppmühle (diese war schon zu seiner Zeit ein beliebtes Wanderziel), seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Ausflugsgaststätte |
Aus der Geschichte von Hosterwitz
Nachweis einer frühen Besiedlung des Gebietes durch archäologische Funde (Reste eines Gräberfeldes der Lausitzer Kultur, Urnengräber aus der Zeit um 1200 v.Chr. sowie aus der älteren Eisenzeit zwischen 800 und 400 v.Chr.), 1406: urkundliche Ersterwähnung als Hostembricz (altsorbisch "Dorf des Gostimer"), das Sackgassendorf Hosterwitz lag dort, wo der Keppbach vor seiner Mündung in die Elbe den steilen Keppgrund verlässt, 1414: Erwähnung des Vorwerks zu Hosterbricz (bestand dann nur noch kurze Zeit), 1618: Ansiedlung von 9 Häuslern auf dem Pfarrlehn am Keppbach (erster bedeutender Zuwachs der Siedlung), ab 1623: Grundherrschaft des Joachim von Loss (wird in den Chroniken als besonders unmenschlich geschildert, brachte die Bauern in Rage und zum Aufstand, ließ 1624 aus Rache das Dorf plündern), nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648): viele Bauerngüter lagen wüst (noch 1680 gab es Bemühungen der Grundherrschaft um eine Wiederbelebung der Bauerngüter), 1689: Wechsel des damals größten Gutes in den Besitz der Ehefrau des Hoffouriers August Zenker (an der Laubegaster Straße 2 blieb der Torbogen mit den verschlungenen Initialen AJEZ1689 - "August und Johanna Elisabeth Zenker 1689" - erhalten), 1721: Erwähnung von 4 Mühlen am Keppbach, 1745: Kauf des Gutes durch den italienischen Bildhauer Lorenzo Matielli für eine Werkhütte (Fertigung von Sandsteinskulpturen für die Fassade der Katholischen Hofkirche, Transport der Skulpturen auf der Elbe nach Dresden), 1749: Kauf des Gutes durch den sächsischen Premierminister Graf Heinrich von Brühl für die Anlage einer Manufaktur für Schnupf- und Rauchtabak, Bau des einflügeligen Keppschlosses am Eingang des Keppgrundes (Dresdner Straße) für Graf Brühl, 1752: Verkauf der Manufaktur an die kurfürstliche Kammer, 1755-1800: Betrieb einer Seidenmanufaktur durch die Landescommerzien-Deputation (mit einer eigenen Seidenraupenzucht auf 2.500 Maulbeerbäumen), Umbenennung in "Plantagengut", 1774: Kauf eines Hosterwitzer Weinberges durch Kabinettsminister Graf Camillo von Marcolini, erwarb 1786 auch die Hosterwitzer Mühle und 1800 die Lehden (Hanglagen) am Zuckerhut, Umgestaltung des Keppschlosses sowie Anlage einer künstlichen Ruine (blieb nicht erhalten) und der zur Elbe führenden Nussallee für Graf Marcolini, 1801: Übertragung des Plantagengutes an Graf Marcolini in Erbpacht, 1814: Tod Graf Marcolinis, Aufteilung des Hosterwitzer Eigentums unter den Erben, später wieder in der Hand des Bankiers Robert Thode vereinigt, Mitte des 19. Jahrhunderts: Ausbreitung von Hosterwitz vorwiegend entlang der Dresdner Straße in lockerer Bebauung, Erwerbsgartenbau auf einem großen Teil der Flur, 1950: Eingemeindung nach Dresden (zusammen mit Pillnitz)
Carl-Maria-von-Weber-Museum Hosterwitz: s. Museen |
Wasserwerk Hosterwitz
1901: Kauf von 82 ha des sich beiderseits der Pillnitzer Landstraße erstreckenden Landes des ehemaligen Plantagengutes durch die Stadt Dresden, 1905-1908: Bau des Wasserwerkes Hosterwitz (Entwurf der Hochbauten: Stadtbaurat Hans Erlwein), Anlage einer großen Edelobstplantage im Umfeld der Grundwassergewinnung (Rohrbrunnen-Galerie), Grundwasseranreicherung mit gereinigtem Elbwasser (Versickerung in Sandbecken), Weiterleitung des Trinkwassers zum Wasserwerk Saloppe, dann zu dem im Süden der Dresdner Heide gelegenen Hochbehälter Fischhaus (speist das Trinkwasserleitungsnetz der rechtselbischen Stadtteile) |
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