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Stadtteil Hellerau, Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst, Landschaftsgebiet Heller
Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst Hellerau
1898: Gründung einer Tischlerei in Laubegast durch den Dresdner Tischlermeister Karl Schmidt (1873-1948), Beginn der ersten industriellen Möbelfertigung Deutschlands, 1900: Auszeichnung der zweckmäßigen und formschönen Hellerauer Möbel mit dem Grand Prix der Pariser Weltausstellung (weitere Auszeichnungen bei den Weltausstellungen von 1904 in St.Louis und 1937 in Paris), 1909: Verlegung des Hauptteils der Werkstätten zum Heller (nach der Gründung einer Gartenstadt-Gesellschaft und dem Kauf von 140 ha Land von Rähnitzer und Klotzscher Bauern), Bau einer großen Fabrikanlage, 1909-1913: Bau der Gartenstadt Hellerau im Umfeld der neuen Fabrikanlagen als fortschrittliche Arbeiterwohnsiedlung, 1934: Ausstellung von "Meisterleistungen des Holzbaus in der Innenarchitektur" in 15 Holzhäusern an der Hellerauer Straße "Am Sonnenhang" (Beispiele aus der Produktion von Möbeln und Inneneinrichtungen der Deutschen Werkstätten sind heute in der Ausstellung des Kunstgewerbemuseums in Schloss Pillnitz zu sehen)
Zeit der DDR: industrielle Großfertigung von Inneneinbauten für Hotels und öffentliche Einrichtungen (wie Hochschulen und Theater), Herstellung der begehrten Hellerauer Möbel aus dem MDW-Programm ("Montagemöbel der Deutschen Werkstätten"), Angliederung eines Entwurfsbüros, eines Forschungsinstituts für Holztechnologie und eines Forschungszentrums Möbel, nach 1990: Rückbesinnung auf die Traditionen der Deutschen Werkstätten, Fertigung hochwertiger Inneneinbauten (z.B. des Landtagsgebäudes, der Neuen Synagoge und der Elbe-Raddampfer) sowie hochwertiger Möbel und von Luxusartikeln (z.B. von Humidoren - mit feinster Mechanik ausgestatteten klimatisierten Zigarren-Schatullen aus Zedernholz)
www.dwh.de www.hellerau-gb.de |
Gartenstadt Hellerau
Lage: ca. 8 km nördlich der Dresdner Neustadt
Bauzeit: 1909-1913
Architekten: Hermann Muthesius und Heinrich Tessenow (Pläne: Richard Riemerschmid, Münchner Maler und Architekt)
Merkmale: erste deutsche Gartenstadt, ganzer Ort als Flächenbaudenkmal geschützt, nach dem Vorbild fortschrittlicher englischer Arbeiterwohnsiedlungen des späten 19. Jahrhunderts und nach den Prinzipien des romantisierenden Städtebaus und des naturnahen Wohnens gebaut, baugenossenschaftlich verwaltete kleine helle Einfamilien- und Reihenhäuser mit jeweils einem kleinen Garten, Grundbesitz vertraglich als unveräußerlich und wertkonstant festgeschrieben (sollte den Bewohnern auch Sicherheit vor Immobilienspekulationen bieten)
Name: vom südlich angrenzenden Landschaftsgebiet Heller abgeleitet
Aus der Geschichte:
ab 1909: Bau einer fortschrittlichen Arbeiterwohnsiedlung mit 345 Kleinwohnhäusern im Umfeld der "künstlerisch ausgereiften Fabrikanlage" des Möbelfabrikanten Karl Schmidt (1873-1948, Gründer der Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst), die Fabrikanlage entsprach hinsichtlich Luftreinheit, Raumklima und Lichtverhältnissen den damals fortschrittlichsten Ansichten zur Arbeitshygiene, 1911: Verlängerung der Straßenbahnlinie vom Arsenal der Albertstadt bis zum Schänkhübel in Klotzsche (ab 1913 Abzweigung zur Hellerauer Post, um 1935 Verlängerung bis zum Rathaus Hellerau und 1938 bis Rähnitz), nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918): Abgabe von 336 Kleinhäusern in Privateigentum durch die finanziell angeschlagene Genossenschaft, 1919: Vereinigung mit Rähnitz (Ortsverband ab 1938 Hellerau II genannt), 1922: Bau des "D-Zug" genannten Straßenzuges mit elf zusammenhängenden Einfamilienhäusern, ab jetzt auch Ansiedlung von Angehörigen gehobener Schichten und Dresdner Künstler in Einfamilienhäusern im Umfeld der Gartenstadt, 1924: Bau des Hellerauer Rathauses, 1929-1931: Anlage des Marktplatzes durch Prof. Kolbe (nach Entwürfen von Richard Riemerschmid), 1937: Bau der Siedlung "Am Pfarrlehen", nach 1945: weitere Neubauten (u.a. die "Dessauer Siedlung" am Heideweg) unter Wahrung der Hellerauer Bautradition, 1950: Eingemeindung nach Dresden
www.dresden-hellerau.de www.hellerau.de www.hellerau-waldschaenke.de (Förderverein Waldschänke Hellerau) |
 Bild: Straßenzug ("D-Zug") in Hellerau mit elf zusammenhängenden Einfamilienhäusern (Giebel einheitlich zur Straße ausgerichtet)
 Bild: Festspielhaus Hellerau (im Zustand vor der Sanierung)
Festspielhaus Hellerau
Bauzeit, Architekt: 1911, Heinrich Tessenow
Merkmale: architekturgeschichtlich bedeutender Vorläufer des Bauhaus-Stils, in seiner Klarheit und funktionalen Struktur richtungsweisend für den modernen Theaterbau, neuartige funktionale Raumaufteilung (auf Vorstellungen des Bühnenbildners Adolphe Appia und des Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze beruhend), inmitten des Zuschauerraumes angeordnete Bühne, versenkbarer Orchestergraben, frei veränderbare Sitzreihen, diffuse Raumbeleuchtung mittels rückseitig beleuchteter Tuchbahnen (von Bühnenmaler Alexander von Salzmann entwickelt)
Aus der Geschichte: ein fortschrittliches kulturelles Leben war Bestandteil des Konzeptes der Gartenstadt Hellerau, Dr. Wolf Dohrn (Mitarbeiter des Gartenstadt-Gründers Karl Schmidt und erster Geschäftsführer des 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes) regte die Gründung eines Kulturzentrums und einer Bildungsanstalt für rhythmische Gymnastik an und wurde deren Leiter, engagierte den Schweizer Tanz- und Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950), ab 1911: Schulfeste der Bildungsanstalt (mehr als 500 Schüler aus 13 Ländern) unter Teilnahme bedeutender Künstler wie Rilke, Shaw, Kafka, Reinhardt, Kokoschka, Le Corbusier, Nolde, Rachmaninow und Stefan Zweig, 1914: Ende der Schule (Emile Jaques-Dalcroze musste Deutschland wegen des Ersten Weltkrieges verlassen), 1920er Jahre: Weiterentwicklung des rhythmischen Tanzes in Dresden zum modernen Ausdruckstanz durch Tänzerin Mary Wigman, nach 1927: Nutzung des Festspielhauses auch als Wohlfahrtsschule und Kindergärtnerinnen-Seminar, 1932: vielbeachtete Aufführung von Christoph Willibald Glucks "Iphigenie in Aulis" mit der Staatsoper Dresden unter der Leitung von Fritz Busch, Zeit des Nationalsozialismus: Planung für ein "Bayreuth des völkischen Dramas" und einer "Weihebühne" für die Aufführung völkischer Theaterstücke, dann allerdings Einrichtung einer Polizeischule nach einigen Umbauten, dem Teilabriss der Pensionshäuser und dem Anbau von Kasernenflügeln, im Krieg als Lazarett genutzt, nach Kriegsende: Übernahme durch die Sowjetarmee, Nutzung als Lazarett, Sporthalle und Kulturhaus, noch bis 1992 im Besitz der GUS-Streitkräfte, dann vom Freistaat Sachsen übernommen, ab 1992: Engagement der Europäischen Werkstatt für Kunst und Kultur Hellerau e.V. und anderer kultureller Einrichtungen für eine Wiederbelebung der großen Tradition Helleraus als Wirkstätte der künstlerischen Avantgarde Europas, 1994: Beginn der dringend erforderlichen Restaurierung des Gebäudekomplexes, 2002: Einrichtung des Dresdner Zentrums für zeitgenössische Musik, 2004: Umwandlung in das Europäische Zentrum der Künste Dresden (Gründungsintendant: Udo Zimmermann, Dresdner Komponist), Veranstaltung der Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik (international führendes Festival der Gegenwartsmusik) und des Medienkunst-Festival CYNETart, Fortsetzung der großen Hellerauer Tradition des modernen Ausdruckstanzes mit dem Tanztheater Derevo und der Forsythe Company, 2006: Vollendung der vom Freistaat Sachsen finanzierten Innenrestaurierung des Festspielhauses (an der Architektur Tessenows angelehnte Rekonstruktionspläne des Münchner Architekten Josef Meier-Scupin)
Festspielhaus Hellerau, Karl-Liebknecht-Str. 56, 01109 Dresden
Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden (European Centre for the Arts), Karl-Liebknecht-Str. 56, 01109 Dresden, Tel. (0351) 264620, Fax. (0351) 2646223, www.hellerau.org
The Forsythe Company, Tel. (069) 21237586, Fax. (069) 21237177, www.theforsythecompany.de
Tanztheater DEREVO, Tel. (0351) 4057474, www.derevo.org
Trans-Media-Akademie Hellerau e.V., Tel. (0351) 8896665, www.cynetart.de
Deutscher Werkbund Sachsen, Tel. (0351) 8802007, Fax. (0351) 8893883, www.deutscher-werkbund.de |
Kurzinformation des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau
Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau, das seit dem 01. Januar 2009 unter der künstlerischen Leitung von Dieter Jaenicke steht, vereint unter seinem Dach verschiedenste Formen zeitgenössischer Künste. Zeitgenössischer Tanz, zeitgenössische Musik, bildende Kunst, Zeitgenössische Theater-Produktionen, Neue Medien und Literatur stehen im Fokus des Programms. Fester Bestandteil sind die immer im Oktober stattfindenden Dresdner Tage der Zeitgenössischen Musik.
Neben der Forsythe Company als prominenteste Künstler in residence bietet das Europäische Zentrum einen Ort des Schaffens für viele renommierte und aufstrebende neue Künstler. Stiftungen, Vereine und Kulturinstitutionen wie der Neue Sächsische Kunstverein, der Werkbund Sachsen, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Sächsische Kultursenat und die Trans-Media-Akademie sind in Hellerau ansässig. National und international beteiligt sich das Europäische Zentrum der Künste an deutschen, europäischen und globalen Netzwerken und Kooperationen und initiiert gemeinsam mit allen wesentlichen Kulturinstitutionen, aber auch mit wissenschaftlichen Instituten und Hochschulen gemeinsame Programme und Projekte. Ziel des Europäischen Zentrums ist es, das wichtigste Zentrum zeitgenössischer Künste in Ostdeutschland zu werden. ... [www.hellerau.org] |
Landschaftsgebiet Heller
gehörte einst zum Waldland der Dresdner Heide, heute ein schwer zugängliches, von Gestrüpp bewachsenes großes Brachland, trennt die nördlichen Stadtteile Wilschdorf, Rähnitz, Hellerau und Klotzsche von der Dresdner Neustadt, sandige karge Landschaft mit Kiefernwald (etwa 50 m dicke Schicht aus Quarz-Heidesand, mächtige Flugsanddünen aus der Späteiszeit, grober Flussschotter in der Tiefe verweist auf ein ehemaliges Elbe-Flussbett in diesem Bereich), die Heidesandterrasse erreicht hier mit 2 km ihre größte Breite
1827: Einrichtung eines Exerzierplatzes des Militärs unterhalb des Hellerberges (215 m ü. NN), die sandige Hellerterrasse diente dann lange Zeit als Übungsgelände der sächsischen Armee, bis um 1850: Weinbau auf den leichten, sandigen Böden des Südabfalls des Hellerberges, große Sandgruben liefern seit langem Material für den Dresdner Städtebau, 1925-1935: Betrieb des städtischen Flugplatzes im Osten des Hellers (nahe des heutigen Industriegeländes, heute Kleingartensiedlungen), ab 1960: Aufschüttung großer Bauschutt- und Abfallhalden u.a. während der Trümmerberäumung der Innenstadt nach dem Krieg |
Schänke "Zum letzten Heller"
1716: erste Erwähnung der Hellerschänke (später Gaststätte "Letzter Heller" oder "Zum letzten Heller" genannt), befand sich im Osten der Jungen Heide in der Nähe der Oltersteine, gab dem Gebiet Heller seinen Namen, der Sage nach soll ein Wanderbursche mit nur noch einem Heller in der Tasche dem Schlangenkönig im nahen Olterteich die goldene Krone gestohlen, diese verkauft und mit dem Erlös die Schänke gebaut haben
1956: Ende des Schankbetriebes, 1969: Abbruch des Hauptgebäudes und 1971 der Nebengebäude (bis dahin von der Hellerauer landwirtschaftlichen Genossenschaft als Scheunen und Ställe genutzt), 1973: Umsetzen des Sandsteinportals des Weinkellers der Hellerschänke an den Eingang des Weinkellers der an der Brühlschen Terrasse in Dresden stehenden Sekundogenitur (Portal von 1688 im Stil des deutschen Frühbarocks mit schönem Girlanden- und Skulpturenschmuck, weinlaubbekränztem Faun im Giebelfeld über dem als Weinbütte ausgeführten Schlussstein, sowie Wappen und Initialen der Familien von Erdmannsdorff und von Pflugk - einstigen Weinbergbesitzern im Hellergebiet) |
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