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Großer Garten ( Palais im Großen Garten )
![]() Seit 1950, nachdem die von den anglo-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 angerichteten schweren Verwüstungen weitgehend beseitigt waren, dient der Große Garten als Kulturpark. ![]() Neue Grünanlagen wie z.B. der Dahliengarten und der Staudengarten in der Nähe des Palais kamen hinzu, außerdem Kinderspielplätze, Sportanlagen und eine Sommergaststätte neben dem Palaisteich. Der im Jahr 1881 angelegte Carolasee lädt im Sommer zum Rudern und im Winter zum Schlittschuhlaufen ein. Am Ufer steht die Sommergaststätte "Carolaschlösschen". Bild: Großer Garten im Herbst, im Vordergrund die Gleise der Parkeisenbahn
![]() Bild: Torhaus an der Hauptallee des Großen Gartens ![]() ![]() Bilder: An der Herkulesallee erhielt das Freilichtpuppentheater Sonnenhäusel im Jahr 1955 eine Spielstätte mit etwa 350 Zuschauerplätzen. ![]() Bild: Blick in die Herkulesallee des Großen Gartens ![]() Bild: Blick in die Hauptallee des Großen Gartens; im Hintergrund das Palais, vorn ein Straßenübergang der Parkeisenbahn ![]() Bild: Der Kaitzbach fließt streckenweise auf der Grenze zwischen dem Zoo-Gelände und dem Großen Garten ![]() Von den einst zahlreichen Skulpturen des Parks blieben nur wenige erhalten. Viele der Gartenplastiken wurden im Jahr 1760 (im Siebenjährigen Krieg), während der preußischen Besetzung Sachsens, zerstört oder nach Charlottenburg in Preußen verschleppt. Bilder: Kentaurengruppen "Nessus und Deianira" (links) und "Eurythos und Hippodamia" (unten) von Antonio Corradini an der Hauptallee des Großen Gartens westlich vom Palais (sie befanden sich ursprünglich am Japanischen Palais) Am Osttor der Hauptallee stehen die Gruppen "Venus und Adonis" und "Meleager und Atalante" von Johann Christian Kirchner aus dem Jahr 1719. ![]() Im Umfeld des Palais sind mehrere Marmorplastiken aufgestellt. Die Skulpturen "Herakles und Telephos" und "Seleinos und Dionysos" schuf Paul Heermann um 1725. Am Palaisteich ist die von Antonio Corradini geschaffene "Üppigkeitsvase" zu sehen. Von den einst zwölf entlang der Herkulesallee stehenden Herkules-Skulpturen aus der Werkstatt von Balthasar Permoser sind am Westeingang noch "Herkules mit der Schlange" und "Der Ruhende Herkules" sowie am Osteingang "Herkules und Drache im Garten der Hesperiden" und "Herkules mit Busiris" zu sehen. Mindestens zwei der großfigurigen Darstellungen der Taten des Herkules dürften erste Arbeiten Balthasar Permosers in Dresden (um 1690) gewesen sein. ![]() In der Nähe des Palais befindet sich das Parktheater (s. Bild). Unweit der ehemaligen Pikardie, einer alten Gaststätte am Ostausgang der Hauptallee, entstand auf dem Gelände einer früheren Kiesgrube in den Jahren 1954/55 die Freilichtbühne Großer Garten (in der Zeit der DDR Freilichttheater Junge Garde genannt). In diesem Bauwerk mit seinen geschwungenen Dächern im Stil der barocken Chinoiserien finden etwa 5.000 Zuschauer auf den in der Art eines Amphitheaters ansteigenden Sitzreihen Platz. Aus der Geschichte Lustgarten (ab 1676) Schon ab dem 16. Jahrhundert besaßen Dresdner Adlige Lustgärten vor den Stadtmauern, z.B. den Pomeranzengarten (1591) an der Ostra-Allee, den Rechenbergschen Garten (vor 1653) an der Bürgerwiese (heute Blüherpark) und den Türkischen Garten (ab 1668) an der Reitbahnstraße. Der Große Garten wurde ab 1676 im Auftrag von Kurfürst Johann Georg II. für den Kurprinzen, den späteren Kurfürsten Johann Georg III., auf damals noch weit außerhalb der Stadt liegenden Feldern Strehlener, Grunaer und Striesener Bauern angelegt. Er besaß zunächst eine quadratische Fläche mit etwa 250 m Seitenlänge, in deren Zentrum ab 1678 das Palais errichtet wurde. Geplant war damals eine Vergrößerung auf etwa 2 km Seitenlänge, doch wegen der Bitten und Klagen der betroffenen Bauern begnügte man sich mit Erweiterungen auf schließlich etwa 1 km im Quadrat. Durch Verlängerungen entlang der Hauptallee nahm der Garten später eine Kreuzform an, in der er sich bis 1861 zeigte. Gartengestalter Martin Göttler richtete bis 1683 ein erstes Wegenetz im Garten ein. Nach den Grundsätzen der Waldvermessung des Leipziger Professors Johannes Humelius ließ Göttler von der Lichtung im Mittelpunkt des Großen Gartens acht Wege strahlenförmig ausgehen (Johannes Humelius hatte das erste Wegenetz der Dresdner Heide um 1560 in ähnlicher Form angelegt). Barockgarten / Französischer Garten (1683-1763) ![]() Der spätere Oberlandbaumeister Johann Friedrich Karcher gestaltete den Großen Garten ab 1683 in einen Barockgarten um. Er beseitigte die Sternwege und schuf nach dem Vorbild des französischen Gartenkünstlers André le Notre, dessen Versailler Garten er 1714 besichtigt hatte, einen Französischen Garten mit dem Palais und einem schmalen Blumenparterre im Mittelpunkt. Davor legte er einen ebenen Platz für Ringrennen und andere höfische Vergnügungen an, dahinter ein großes Wasserbecken. Bild: Palais im Großen Garten, davor der Palaisteich ![]() Im Garten entstanden ein symmetrisches Wegenetz mit schnurgeraden Alleen, Grünanlagen mit gestutzten Hecken und Bäumen, durch hohe Heckenwände abgeschlossene Spielgärten, eine Orangerie, ein Labyrinth, ein Naturtheater am Palaisteich (eines der ersten Naturtheater Europas) sowie künstliche Gewässer mit Bassins, Fontänen und Kaskaden. Mehr als 150 Marmorstatuen und Riesenvasen schmückten den Garten. August der Starke ließ den Großen Garten im Jahr 1698 über die alte Pirnaische Landstraße hinaus erweitern (diese verlief nördlich der Herkulesallee, woran heute noch ein Steinkreuz am Friedrich-Bouché-Weg beim Dahliengarten erinnert) und als Ersatz eine neue Straße nach Pirna anlegen, die Pirnaische Chaussee (heute Stübelallee), die aber erst um 1900 ihre heutige Breite erhielt. Der Palaisteich entstand 1715. In der Augusteischen Zeit wurde der Skulpturenschmuck des Gartens um mehrere große, bedeutende Figuren unter anderem von Antonio Corradini, Pietro Balestra, Johann Christian Kirchner und Balthasar Permoser bereichert. Bild: Marmorgruppe "Die Zeit entführt die Schönheit" von Pietro Balestra vor dem Palais Im Jahr 1716 verlegte man die Fasanerien vom Ostravorwerk und vom Neudorfer Elbwerder in den Großen Garten, wo Strauchdickichte, Fasanengräben, Schießgänge, Futtergärten und ein Fasanenwärterhaus entstanden. Um die Anlagen vor Raubwild und vor unbefugtem Betreten zu sichern, ersetzte man die Einzäunung des Großen Gartens im Jahr 1718 durch eine 2,50 m hohe Mauer. Nur "Personen von Kondition, nicht aber Tagelöhner, Musketiere und Weibspersonen von dergleichen Stand" erhielten Zutritt. Die Torwärter betrieben einen erlaubten Bierausschank zur Aufbesserung ihres geringen Einkommens. Vor allem sonntags fand sich, wie alte Schriften berichten, viel Volk am Ausschank ein. In der Regierungszeit Augusts des Starken (1694 bis 1733) erlebte der Große Garten glänzende Hoffeste. Das Venusfest anlässlich der Vermählung des Kurprinzen Friedrich August, des Sohnes von August dem Starken, mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha am 23. September 1719 ragt dabei besonders heraus. Aus alten Schriften ist auch bekannt, das die Bauern der Umgebung zum Karneval des Jahres 1721 große Mengen von Schnee für festliche Schlittenfahrten heranfahren mussten. Im Dezember 1745 erlitt der Barockgarten bei Kämpfen zwischen Österreichern und Preußen schwere Schäden. Während der Schlacht bei Kesselsdorf hatten die Österreicher ihr Hauptquartier in der nahen Schenke "Grüne Wiese" in Gruna (am Ort des späteren Rothermundtparks) aufgeschlagen. Auch im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kam es im Großen Garten zu Kämpfen. Die Preußen hausten hier außerdem wie die Wandalen und fällten 610 der stärksten Linden der Alleen, deckten das Kupferdach des Palais ab, zertrümmerten zahlreiche Bildwerke und verschleppten andere nach Sanssouci und Charlottenburg. Landschaftspark im Englischen Stil (ab 1764) Nach dem Siebenjährigen Krieg, im Jahr 1764, stellte Oberlandbaumeister Julius Heinrich Schwarze den Park in relativ kurzer Zeit wieder her - jetzt nicht mehr als Französischen Garten, sondern als Englischen Landschaftspark. Ab jetzt standen die Anlagen mit Ausnahme der Fasanengehege auch bürgerlichen Besuchern offen. In der Schlacht bei Dresden im August 1813 (in den Napoleonischen Kriegen) wurde auch der Große Garten wieder zum Kampfplatz, was wiederum schwere Verwüstungen nach sich zog. Der nach der Niederlage Napoleons, zu dessen Verbündeten Sachsen gehörte, im Land eingesetzte russische Generalgouverneur Repnin-Wolkonski richtete eine besondere Behörde für die Wiederherstellung der Dresdner Gartenanlagen ein. Die Arbeiten wurden meist in Frondienst ausgeführt. Die Bauern von Gruna und Striesen durften mit den Steinen der zum Teil zerstörten Mauer, die man nun ganz abtrug, ihre abgebrannten Gehöfte wieder aufbauen. Die Fasanenzucht im Park wurde im Jahr 1815 aufgehoben. Aus dem Haus des Fasanenwärters entstand das Gasthaus Große Wirtschaft. Auch die Torhäuser wurden in Gaststätten umgewandelt. Hofgärtner Johann Gotthelf Hübler schuf aus dem Ringrenn- und Spielplatz vor dem Palais ein großes Rasen- und Blumenparterre. Südlich der Hauptallee legte man eine Obstbaumschule an. Ein Katalog von 1819 nennt u.a. 225 Apfel-, 132 Birn- und 91 Kirschbaumsorten. Während der preußischen Besetzung Dresdens im Jahr 1866 fällten dann die Preußen die meisten dieser Obstbäume zum Bau einer Schanze am (späteren) Straßburger Platz. Nach dem Abzug der Preußen stellte man den Königlichen Großen Garten unter die Verwaltung des Forstrentamtes, das einen maximalen Gewinn aus der Anlage zu schlagen trachtete. Waldarbeiter fällten die Bäume des Parks ohne Rücksicht auf die Parkgestaltung. Der Verwalter eröffnete mehrere neue Schankstätten und baute die acht Pavillons am Palais zu Wohnungen für Sommergäste aus. Die Fischerei im Palaisteich wie auch die winterliche Eisbahn wurden verpachtet, die Laubstreu des Parks verkaufte man an Erwerbsgärtner. Königlicher Großer Garten Im Jahr 1873 wurde der junge Obergärtner Johann Karl Friedrich Bouché, ein Schüler des berühmten Gartengestalters Lenné, als Direktor des zu jener Zeit recht verwahrlosten Großen Gartens eingestellt. Bis zu seinem Ruhestand 1922 erneuerte und erweiterte er den Park. Im Jahr 1878 bezog er die Strehlener Felder im Südosten mit ein. In den Kiesgruben an der Krähenhütte ließ Bouché zwischen 1881 und 1886 den Carolasee anlegen. Dieses Gebiet gehört zu einem alten Elbarm (Seegraben), der sich von Seidnitz her zwischen der Herkules- und der Winterbergstraße über den Großen Garten bis zur Bürgerwiese erstreckt. Von der Querallee an wird er heute vom Kaitzbach durchflossen. Der Durchbruch der Grunaer Straße im Jahr 1880 schuf eine direkte Verbindung zwischen dem Großen Garten und der Innenstadt. Nach dem 6. Deutschen Turnfest im Jahr 1885 auf den Feldern an der Pirnaischen Chaussee (der späteren Stübel-Allee) beschloss die Stadtverwaltung, ein ständiges Ausstellungsgebäude auf diesem Gelände zu errichten. Im Jahr 1896 wurde es eingeweiht. Auch die weltweit beachtete Internationale Hygiene-Ausstellung im Jahr 1911 fand hier statt. ![]() Als Bouché zwischen 1890 und 1897 etwa 15 ha Grunaer Wiesen aus den Händen einer privaten Baugesellschaft für den Park erwarb, nahm der bisher eher kreuzförmige Große Garten seine Rechteckform mit einer Länge von etwa 1.900 m und einer Breite von etwa 1.000 m (an der Karcherallee etwa 900 m) an. Er besaß nun eine Fläche von ca. 180 ha (ohne Zoo, Botanischen Garten und Ausstellungsgelände etwa 154 ha). Auf dem neu zugefügten Parkgelände entstand 1894 der Neue Teich. Bild: Der in geometrischen und floralen Formen gestaltete Mosaikbrunnen wurde von Stadtbaurat Hans Poelzig im Jahr 1926 anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung geschaffen. Zerstörung im Februar 1945 und Wiederherstellung Nach dem ersten anglo-amerikanischen Bombenangriff am 13. Februar 1945 flüchteten zehntausende Menschen aus der brennenden Stadt in den Großen Garten. Während der zweiten Angriffswelle warfen die Flugzeuge dann Phosphorkanister und Bomben auch über dem Park ab, was vielen Menschen das Leben kostete. Die Parkanlagen wurden stark zerstört. Den Bombenangriffen fielen das Palais, die Kavalierhäuser, die Torhäuser, das Ausstellungsgelände und die meisten Gaststätten sowie der Zoologische und der Botanische Garten mit fast dem gesamten Tier- bzw. Pflanzenbestand und allen Gebäuden zum Opfer. Schon kurz nach Ende des Krieges räumten die Dresdner die Parkanlage auf. Sie verfüllten die Bombentrichter, setzten das etwa 34 km messende Wegenetz instand und stellten durch Baumpflegemaßnahmen und Ersatzpflanzungen allmählich den Baumbestand des Parks wieder her. Wegen der Nahrungsmittelknappheit nutzte man einige Parkflächen als Grabeland für den Anbau von Feldfrüchten und Gemüse. Das Palais wurde bis 1969 zunächst nur äußerlich wiederhergestellt. Palais im Großen Garten nach oben |