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Stadtgründung, Dresden im späten Mittelalter Im 12. Jahrhundert gründeten deutsche Kolonisten und vermutlich auch Kaufleute des Fernhandels auf einem etwas höheren und somit trockeneren und weniger hochwassergefährdeten Gelände südlich der an der Elbfurt stehenden Burg die Siedlung Dresdene. Die ca. 60 m langen Häuserblocks standen im Umfeld eines großzügig angelegten, etwa 130 x 100 m messenden Stadtmarktes (der erst später, nach der Einbeziehung des Neumarktes in das Stadtgebiet, Altmarkt genannt wurde). Über den Marktplatz floss damals der von der Kreuzgasse kommende Kaitzbach zur Elbe hin (bis er dann später den Stadtgraben speisen musste). Die Größe der Siedlung könnte etwa 500 m betragen haben. Das regelmäßige Gitterschema der Straßen und Gassen mit einem Markt im Mittelpunkt war typisch für mittelalterliche Stadtgründungen in dieser Zeit der zweiten deutschen Ostexpansion. In der Zeit der Meißner Markgrafen Otto (der Reiche; reg. 1156-1190) und Albrecht I. (der Stolze, reg. 1190-1195) wuchs die Siedlung Dresden zu einer mittelalterlichen Stadt heran. ![]() Das Jahr 1206 gilt als offizielles Gründungsjahr von Dresden. Der Ort wird in jenem Jahr erstmals in einer Urkunde des Markgrafen Dietrich (des Bedrängten; reg. 1195-1221) erwähnt. Im Jahr 1216 erscheint Dresden dann erstmals als Stadt (civitas) in den Urkunden. Zu jener Zeit war die Burg Meißen, auf der die Landesherren - die Meißner Markgrafen - saßen, schon fast 300 Jahre alt. Das im Jahr 1271 von Markgraf Heinrich (dem Erlauchten; reg. 1221-1288) der Stadt verliehene Marktrecht wurde im Jahr 1292 von Markgraf Albrecht II. (reg. 1288-1306) noch einmal beurkundet. In jenem Jahr wird erstmals eine Dresdner Bürgermeister- und Schöffenwahl erwähnt. Bild: Urkunde des Markgrafen Dietrich mit der Ersterwähnung Dresdens im Jahr 1206 Die mittelalterliche Stadt Das Gebiet innerhalb der Stadtmauer war erst im 15. Jahrhundert geschlossen bebaut. Bis dahin gab es hier noch manches Sumpfgelände, auch, weil die Burg samt ihrem sehr morastigen Umfeld mit in die Stadtmauer einbezogen worden war. Vor allem das Sumpfgelände, das sich zwischen der Burg und dem im Nordwesten der Stadt gelegenen Franziskanerkloster erstreckte, blieb noch lange unbebaut. Im sumpfigen Umfeld der Burg verliefen die Wege über Knüppeldämme. Im Jahr 1898 entdeckte man in 2,50 m Tiefe unter der Schlossstraße die Reste eines solchen einst zwischen der Burg und dem Stadtmarkt verlaufenden Dammes. Ein im Osten der Stadt gelegenes Gewässer wurde um 1350 trockengelegt. Hier entstand erst recht spät und ohne klares Straßennetz ein auch als "Loch" bezeichnetes, ziemlich verrufenes Stadtviertel. Während die westliche (westlich von Elbgasse, Stadtmarkt und Seegasse gelegene) Stadthälfte mit in Ost-West-Richtung orientierten Baublöcken regelmäßig angelegt war, zeigte sich die östliche Stadthälfte in eher unregelmäßiger Struktur mit überwiegend nordsüdlich verlaufenden Baublöcken, wobei hier die Straßenführung wesentlich am Frauentor, dem nordöstlichen Stadttor, das zur Frauenkirche hinaus führte, ausgerichtet war. Nach dem Bau der erstmals im Jahr 1275 erwähnten Elbbrücke (sie stand westlich neben der in Höhe der Münzgasse verlaufenden Elbfurt) ließ die Bedeutung der Furt und somit auch der durch den östlichen Stadtbereich zur Elbfurt führende Verkehr schnell nach. Der von Westen aus Freiberg (Silberstraße) kommende Hauptverkehr, der nach Einfahrt durch das Wilsche Tor durch die Wilsche Gasse zum Stadtmarkt lief, bog dort nach Norden in die Elbgasse ein, welche zum Elbtor mit der Elbbrücke führte. Von den Verkehrswegen im Osten der Stadt blieb nur die an der Nikolaikirche (der späteren Kreuzkirche) vorbei durch die Kreuzpforte laufende Strecke nach Pirna (und weiter nach Böhmen) erhalten. (Erst am Ende des 19. Jahrhunderts entstand mit dem Durchbruch der König-Johann-Straße wieder ein wichtiger neuer Verkehrsweg im Osten der Altstadt). Die vom Marktplatz nach Süden zum Seetor abgehende Seegasse blieb noch bis zum 18. Jahrhundert ohne Bedeutung für den Durchgangsverkehr. An der Nordseite des Stadtmarktes stand das erstmals im Jahr 1295 urkundlich erwähnte und um 1380 umgebaute Rathaus, ein schlichter, auf einem massiven Untergeschoss stehender Fachwerkbau mit Schindeldach. Das Gebäude diente ursprünglich auch als Tuchhandelshaus. Dieses mehrmals veränderte mittelalterliche Rathaus wurde um 1708 abgebrochen. Ob ein Vorgängerbau der späteren Ratsbaderei an der Badergasse (im "Loch" nahe der alten, in Höhe der späteren Münzgasse zur Elbfurt verlaufenden Straße) bereits als Rathaus diente, ist umstritten. Bild: Dresden vor 1550, Anblick von Süden (nach einem Stadtmodell von 1900); die Stadt ist vom Stadtgraben und der Stadtmauer umgeben, vorn das Seetor, in der Mitte der Stadtmarkt (Altmarkt) mit dem Rathaus an dessen Nordseite, südöstlich des Marktes die Kreuzkirche, ganz hinten (im Norden) die Elbbrücke (Vorgänger der Augustusbrücke), davor das Georgentor und links davon das Residenzschloss (vor seiner Erweiterung nach Westen), links (westlich) davon das Franziskanerkloster mit der Klosterkirche (der späteren Sophienkirche), oben rechts außerhalb der Stadtmauer, vor dem Frauentor, die alte Frauenkirche mit dem StadtfriedhofStadtmauer und Stadttore Die wahrscheinlich um 1216 gebaute, den damaligen topographischen Gegebenheiten folgende Stadtmauer (Wehrmauer) besaß vier Tore: das Elbtor im Norden, das Frauentor im Osten, das Seetor im Süden und das Wilsche Tor im Westen sowie eine Pforte, die Kreuzpforte, im Südosten. Vor der Stadtmauer wurde der vom Kaitzbach gespeiste Stadtgraben ausgehoben. Jedes Stadttor besaß eine Zugbrücke, die man nachts schloss. Die mittelalterliche Wehrmauer verlief (mit heutigen Örtlichkeiten beschrieben) vom Schloss kommend etwa entlang der Augustusstraße nach Südosten bis zum Neuen Rathaus, weiter entlang des Dr.-Külz-Ringes bis zur Wallstraße und dann nach Norden über die Sophienstraße zurück zum Schloss. Die Augustusstraße mit ihrer charakteristischen Biegung am Eingang des Stallhofes lässt noch heute den Verlauf der Stadtmauer vor ihrer Verlegung nach Osten in der Mitte des 16. Jahrhunderts erkennen. (Bis um 1590 wurde die Stadtfestung dann nach Nordosten bis zur Jungfernbastion und nach Nordwesten bis zum Bereich des Zwingerteiches ausgedehnt.) Ab 1350 erfuhr die Dresdner Stadtbefestigung eine wesentliche Verstärkung. Auch mehrere Büchsenhäuser kamen hinzu, zwischen 1427 und 1458 auch ein Zwinger (so nennt man den Bereich zwischen der äußeren und der inneren Wehrmauer einer Festungsanlage). Das im Jahr 1416 stark ausgebaute Wilsche Tor (Wilschdorfer Tor) am Ende der Wilschen Gasse im Westen der Stadt war das Hauptverkehrstor Dresdens. Hier passierte die aus Freiberg kommende Handelsstraße, die Silberstraße, die Stadtmauer. Dieses mehrmals umgebaute mächtige Westtor der Stadtmauer blieb bis zum Abbruch der Dresdner Stadtfestung um 1815 erhalten. Im Norden der Stadtmauer, östlich neben der Burg, stand bis 1553 das Elbtor (Brückentor) auf dem ersten Landpfeiler der Elbbrücke. Im Jahr 1535 war das Georgentor fertig gestellt. (Das Gelände des Schlossplatzes wurde dann erst später, im wesentlichen beim Bau der Hofkirche, aufgeschüttet.) Das im Nordosten der Stadtmauer gelegene Frauentor, das ab 1427 einen Turm besaß, schuf die Verbindung zur Frauenkirche mit dem Stadtfriedhof. Im Jahr 1548 wurde es im Zuge der Osterweiterung der Stadtfestung abgebrochen. Am Ende der Kreuzgasse befand sich im Südosten der Stadtmauer die Kreuzpforte ("Des Heiligen Kreuzes Pforte"). Durch sie verließ der Weg nach Pirna die Stadt. Sie wurde im Jahr 1559, nach dem Bau des Salomonistores, geschlossen. Im Süden der Stadtmauer stand am Ende der Seegasse das Seetor. Wegen des schwer passierbaren gewässerreichen Geländes, das sich im Süden vor der Stadt erstreckte, besaß es keine große Bedeutung für den Verkehr und wurde schließlich um 1550 vermauert. Der Turm des Seetores diente dann als Gefängnis. Altendresden Die Siedlung am rechten Elbufer (Nordufer), wo sich heute die Innere Neustadt befindet, taucht erstmals im Jahr 1350 als Altendresden (Antiqua Dressdin) in den Urkunden auf. Sie war ursprünglich eine Brückenkopfsiedlung der Elbbrücke, in der die von Meißen, Großenhain, Radeburg und Bautzen kommenden Handelswege zusammenliefen. Im Jahr 1403 erhielt Altendresden das Stadtrecht. Das Augustinerkloster entstand 1404. Die Altendresdener Pfarrkirche (Vorläufer der Dreikönigskirche, aber etwa 200 m weiter südlich stehend) wurde um 1404 inmitten eines Kirchhofes gebaut (1421 urkundlich ersterwähnt; gotischer Bau mit flachgedecktem Langhaus und einem Turm in der Nordwestecke, Chor und Langhaus mit einem spitzen Dachreiter). Die Kirche wurde im Jahr 1429 von den Hussiten zerstört, bald darauf wieder aufgebaut und zwischen 1500 und 1506 unter der Leitung von Conrad Pflüger umgestaltet. Eine Altendresdner Stadtbefestigung ist aus der Zeit um 1520 bekannt. ![]() Altendresden blieb lange ein eigenständiges Gemeinwesen, bis die Stadt im Jahr 1549 unter Kurfürst Moritz von Sachsen mit Dresden, der Stadt am linken Elbufer, zur Kurfürstlichen Residenzstadt Dresden vereint wurde. Bild: Altendresdner Siegel ![]() Bild: Altendresden (Gebiet der heutigen Inneren Neustadt) vor 1550 (nach einer Zeichnung von Gabriel de Thola, verändert) Das Umland der mittelalterlichen Stadt Vor der Stadtmauer bildeten die Niederung der Viehweide im Nordwesten, die Seen im Südwesten und Osten sowie ein sumpfiges Gelände im Nordosten einen natürlichen Schutzgürtel. Westlich der Stadt lagen die Mündungen der Flüsse Weißeritz (Bistrice) und Kaitzbach (Katzbach) mit ihren großen Schwemmfächern, östlich und südöstlich der Stadt große Elbe-Altarme mit Seen und Altwassertümpeln. Die stehenden Gewässer wurden dann erst allmählich im Zuge der Stadtentwicklung verfüllt und überbaut. Der südöstlich der Stadtmauer als Wasserspeicher für den Stadtgraben angelegte Jüdenteich existierte teilweise noch bis zum Bau des Georgplatzes um 1849. Die Namen "Seetor" und "Seevorstadt" beziehen sich auf einen langgestreckten See im Südwesten vor der Stadt. Um 1500 wurde er mit einem im Bereich Dippoldiswalder Platz angelegten Straßendamm in den Alten See und den Neuen See getrennt und schließlich beim Ausbau der Stadtbefestigung um 1550 zugeschüttet. Die alte Siedlung an der Frauenkirche blieb bis zur Osterweiterung der Stadtfestung in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein von der Stadt durch den Frauentorsee und sumpfiges Gelände getrenntes eigenes Gemeinwesen. Das zum Kloster Seußlitz gehörende Maternihospital, das im Nordosten vor der Stadt lag, ging im Jahr 1329 in das Eigentum des Dresdner Rates über. Zu diesem Besitz zählten unter anderem die Vorwerke Prohlis, Coschütz, Rosentitz und Serkowitz sowie Besitzrechte an den Dörfern Plauen, Gohlis, Loschwitz, Lockwitz und Strehlen. Während die umliegenden Dörfer bei kriegerischen Ereignissen gewöhnlich geplündert und gebrandschatzt wurden und die Dorfbewohner ihr Leben, wenn überhaupt, nur in der Stadtfestung oder durch Flucht in die Wälder retten konnten, war die stets gut befestigte Stadt Dresden nur einmal, im Jahr 1315, von den Brandenburgern im Sturm genommen worden. Den Hussitenangriffen im Jahr 1429 hielt die Befestigung stand. Bis zum 15. Jahrhundert gingen zahlreiche Gemarkungen benachbarter Siedlungen in den Bestand der Flur Dresden über. Die etwa 79 ha große Siedlung dehnte ihre Flur bis auf 1.500 ha aus - bis an die Flurgrenzen von Blasewitz, Striesen, Gruna, Strehlen, Zschertnitz, Räcknitz, Plauen, Löbtau und Ostra (später Friedrichstadt). In Stadtnähe entstanden Vorstadtsiedlungen. nach oben ![]() |