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Frauenkirche, Lutherdenkmal
Lage: Neumarkt (Innere Altstadt)
Bauzeit, Architekt: 1728-1743, George Bähr, nach dessen Tod (1738) von den Ratsbaumeistern Johann Gottfried Fehre und Johann Georg Schmid vollendet
Merkmale: evangelische Kirche, ein Meisterwerk der spätbarocken Architektur, 91 m hoher Zentralbau, Grundriss in der Form eines griechischen Kreuzes (der kleinflächige, hohe Bau war auch wegen der Enge am Neumarkt notwendig), Sandstein-Kuppel (Durchmesser: 23,50 m, herrlicher Ausblick über Dresden und das Elbtal von der Aussichtsplattform im Turm), 4 Ecktürme (zeigen sich sehr verhalten, was die dazwischen kühn aufragende Kuppel umso höher wirken lässt), von der Dresdner Bürgerschaft finanziert (als städtisch-bürgerliches Gegenstück zu der etwa zur selben Zeit errichteten, vom kurfürstlich-königlichen Hof finanzierten Katholischen Hofkirche), der Zentralbau entspricht der protestantischen Glaubensphilosophie, nach der Gott mitten unter den Menschen ist (Zusammenfassung der Gemeinde in einem Zentralraum, Vereinigung von Altar, Kanzel und Orgel zum Kanzelaltar unter Verzicht auf den Altarraum)
bei den englisch-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 ausgebrannt und schließlich in sich zusammengestürzt, die Ruine diente in der Zeit der DDR als Mahnmal gegen den Krieg, ab 1993 enttrümmert und wieder aufgebaut, am 30. Oktober 2005 geweiht
www.frauenkirche-dresden.org
www.frauenkirche-silbermann.de |
 Bilder: Westseite und Ostseite der Frauenkirche
Innenausstattung der Frauenkirche
Ausdruck barocker Festlichkeit (eigentlich im Widerspruch zur Askese der protestantischen Lehre), freundlich helle pastellfarbene Ausmalung, marmorierte Säulen, zahlreiche vergoldete Details
Rekonstruktion der ursprünglichen barocken Gestaltung (1733-1739, Johann Christian Feige d. Ä.) des Kirchenraumes und des Altars (aus der Bauzeit gibt es allerdings keine bildlichen Vorlagen, deshalb liegen der farblichen Gestaltung vor allem Schilderungen des Chronisten Johann Christian Hasche aus dem Jahr 1781 zugrunde)
Hochaltar: 10 m breit, 12 m hoch (neue Gloriole von Bildhauer Vincenz Wanitschke), Fußboden des Kirchenraumes aus Sandsteinplatten, Bänke (etwa 2.000 Sitzplätze) aus Schwarzwaldkiefernholz, Orgel der Straßburger Werkstatt Daniel Kern aus dem Jahr 2005, hölzerne Emporen (gelten als Meisterwerke der Zimmermannskunst), umlaufende Betstübchen-Empore mit Glasfenstern |
 
Bilder: Emporen und Kuppelausmalung der Frauenkirche
Aus der Geschichte der Frauenkirche
um 1142: Bau der Kirche Zu Unserer Lieben Frau (einfaches romanisches Gebäude, dem Bischof von Meißen unterstehend) im alten elbsorbischen Dorf Drezdzany (hier könnte schon ein Vorgängerbau bestanden haben, vielleicht vom Kloster Hersfeld oder vom Burgward Pesterwitz im 11. Jahrhundert als Missionsstützpunkt gegründet), 1366: urkundliche Ersterwähnung, mehrere Umbauten zum dreischiffigen Langhaus in quadratischer Form mit einer gotischen Choranlage und einem Dachreiter (1497 aufgesetzt), diente als Hauptpfarrkirche Dresdens und Sitz des Erzpriesters des Archidiakonats des Bistums Meißen, neben der Kirche befand sich der Stadtfriedhof,
1722: teilweise Schließung der baufälligen und für die Gemeinde längst zu kleinen Kirche, Beauftragung von George Bähr (1666-1738, ab 1705 Ratszimmermeister) mit einem Kirchenneubau, 1724-1726: Projektierung (zunächst als Bauwerk mit Holzkuppel und ohne Ecktürme), 1726: Grundsteinlegung, bis 1727: Abbruch der alten Kirche, ab 1728: Neubau der Frauenkirche auf dem Gelände des Frauenkirchhofes (zwischen dem Maternihospital, der Wache und dem Pulverturm) unmittelbar neben dem Standort der alten Kirche,
George Bähr hatte viele Schwierigkeiten, Intrigen und finanzielle Probleme zu überwinden - auch große Differenzen mit dem die Bauaufsicht führenden Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel, von dem allerdings auch zahlreiche nützliche Anregungen für den Kirchenbau kamen (z.B. der eher quadratische Grundriss der Kirche, eine ovalere, höhere Kuppel, vier schräggestellte Ecktürme mit von außen zugänglichen Treppen, Anregungen für den Innenausbau, strenge und einfache Linienführung der Fassade ohne hochbarocke Dekoration - der italienische Barock-Stil galt zu jener Zeit bereits als unmodern).
1729: Baufortschritt bis zum Hauptgesims, Genehmigung des Vorschlags George Bährs für einen steinernen Kuppelanlauf, 1732: Vollendung des Außenaufbaus mit Ausnahme der Kuppel, 1733-1739: Fertigung von Hochaltar und Kanzel durch Johann Christian Feige d. Ä., Mitwirkung des bedeutenden Bildhauers Benjamin Thomae an der barocken Ausgestaltung der Kirche, Kuppelausmalung mit acht Monumentalbildern (vier Evangelisten und vier Allegorien christlicher Tugenden) durch den aus Venedig stammenden Theatermaler Johann Baptist Grone, 1734: Kirchweihe und erster Gottesdienst, 1738: Tod George Bährs (zunächst auf dem alten Johannisfriedhof beigesetzt, 1854 in die Krypta der Frauenkirche überführt), 1738: Vollendung der Silbermannorgel (bedeutendste Orgel des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann, 48 Register und 2.667 Orgelpfeifen), 1743: Fertigstellung von Laterne, Haube und Kreuz, Abschluss des Baus der Frauenkirche durch Ratsbaumeister Johann Gottfried Fehre und Johann Georg Schmid (letzterer war Schüler, Mitarbeiter und Vetter von George Bähr),
1760 (im Siebenjährigen Krieg): die Kuppel der Frauenkirche hielt dem preußischen Kanonenbeschuss stand (König Friedrich II. von Preußen bemerkte schließlich: "Da bleibt der Dickkopf eben stehen."), 1813 (im Napoleonischen Krieg): Nutzung der Kirche als Lazarett und Pferdestall, Kirchengestühl verfeuert, 1887-1892: erste große Reparaturen an der Fassade und der Hauptkuppel, 1924-1930: umfassende Sanierung (blieb wegen Geldmangel jedoch unvollendet, Pfeiler mit Flachstahl umgurtet, Innenausmalung erneuert), 1938-1942: statische Sicherung (u.a. mit drei Stahlbeton-Ringankern innen an der Hauptkuppel), 13./14. Februar 1945: den Bombenangriffen hielt die Frauenkirche zunächst noch stand, verbrannte jedoch im großen Feuersturm danach und stürzte am Vormittag des 15. Februars ein, 1945: Bergung historisch wertvoller Bauteile, 1946: Planung des Wiederaufbaus der Frauenkirche im Großen Dresdner Aufbauplan, 1948/49: Bergung von Steinen, bald jedoch Aufgabe der Wiederaufbauplanung, 1966: Stadtratsbeschluss zum Erhalt der Ruine als Mahnmal (wurde zum Symbol der Friedensbewegung in der DDR) |
 Bild: Alte Frauenkirche, Zustand um 1700 (nach einer alten Grafik, verändert)

Bild: Ruine der Frauenkirche (1945 bis 1993)
Wiederaufbau der Frauenkirche
1989: Gründung einer Initiative für den Wiederaufbau der Frauenkirche (Vorsitzender und Sprecher war der Trompetenvirtuose Ludwig Güttler), 1990: erster weltweiter Spendenaufruf ("Ruf aus Dresden"), 1991: Zustimmung der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche und 1992 der Dresdner Stadtverordnetenversammlung zum Wiederaufbau, 1994: Gründung der Stiftung Frauenkirche, Entstehung zahlreicher Freundeskreise (Förderkreise) der Frauenkirche in 23 Staaten (u.a. The Dresden Trust London, Friends of Dresden New York, Association Frauenkirche Paris, Verein Schweizer Freunde der Frauenkirche), jährlich bis zu 50.000 Spendeneingänge (bedeutende Einzelspender waren z.B. die Dresdner Bank und Nobelpreisträger Günter Blobel), Gesamtkosten des Wiederaufbaus etwa 180 Mio. EUR
Januar 1993: Beginn der archäologischen Enttrümmerung der Ruine, Mai 1994: Beginn des Wiederaufbaus der Frauenkirche, zwei Drittel der Steine in der Sächsischen Schweiz neu gebrochen, 1996: Weihe der Unterkirche, 2001: Fertigstellung der Innenkuppel und 2003 der steinernen Außenkuppel, Mai 2003: Glockenweihe, Juni 2004: Aufsetzen der etwa 30 t schweren Turmhaube mit dem Turmkreuz (in der Turmkugel befinden sich Münzen von der Grundsteinlegung im Jahr 1726, ein Satz Euro-Banknoten, die Sächsische Zeitung und die Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25. Mai 2004 sowie Dresdner und britische Dokumente über die Stiftung Frauenkirche), Festgottesdienst vor dem Johanneum mit dem Landesbischof, dem Kreuzchor und dem Ludwig-Güttler-Bläserensemble, zahlreiche Veranstaltungen (Gottesdienste, Matineen, Podiumsdiskussionen, Konzerte, Lesungen, Vorträge und Orgelvespern) |
 Bild: Eingerüsteter Rohbau der Frauenkirche
  Bild links: Neues Kuppelkreuz der Frauenkirche, von Großbritannien als Zeichen der Versöhnung gespendet (im Jahr 2000 vom Herzog von Kent an Dresden übergeben)
Bild rechts: Altes, aus den Trümmern geborgenes Turmkreuz der Frauenkirche (heute an der Südseite des Innenraumes aufgestellt)

Lutherdenkmal (Bronzedenkmal für Martin Luther)
Standort: auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche
Entstehungszeit, Bildhauer: 1885, Adolf von Donndorf (gegossen in der Dresdner Kunst- und Glockengießerei C. Albert Bierling)
Merkmale: der Kopf beruht auf einem Tonmodell Ernst Rietschels für das Lutherdenkmal in Worms, das Rietschel für diesen Zweck aber verworfen hatte |
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