Der Dresdner Zwinger – die glanzvolle Festanlage August des Starken

Der Dresdner Zwinger

Er ist das Wahrzeichen der Stadt Dresden. Von unvergleichlicher Schönheit und Pracht ist der Dresdner Zwinger weit über die Landesgrenzen des Freistaates hinaus bekannt. Die wunderschöne Zwingeranlage beherbergt Museen, die auf der ganzen Welt einen Namen haben. Die Anlage ist ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht. Und ohne Frage wird der Name August der Starke eng mit der großen Anlage verbunden, denn unter August erlangte der Dresdner Zwinger seine Schönheit und Pracht.

Verspielt und doch gradlinig genau – die Zwingeranlage

Der Dresdner Zwinger liegt im historischen Stadtkern von Dresden, in der Inneren Altstadt. Nur wenige Schritte sind es von hier bis zur Elbe, bis zu der das Areal einst geplant war. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen Semperoper, die Altstädtische Hauptwache, das Grüne Gewölbe, das Taschenbergpalais und das Residenzschloss.

Der Innenhof des Zwingers ist in seiner Grundfläche quadratisch. Im Nordwesten und Südosten schließen sich bogenförmige Areale an. Im Nordwesten folgt der Wallpavillon, im Südosten der Glockenspielpavillon. Am Kronentor schließt die Langgalerie an, gegenüber liegt die Sempergalerie. An den vier Ecken des Areals befinden sich der Porzellanpavillon, der Deutsche Pavillon, der Französische Pavillon und der Mathematisch-Physikalische Salon. Verbunden sind die Eckpavillons durch eine einstöckige Bogengalerie.

Einfach grandios sind die zahlreichen Skulpturen. Großfiguren, Vasen, Putten, Kronen, Blumen, Sitzfiguren, die Liste ist endlos. Viele der Figuren haben ihre Vorbilder in griechischen Gottheiten oder Helden. Namhafte Bildhauer haben diese Skulpturen geschaffen, zu denen auch Permoser, Heermann und Thomae gehören. Der bekannteste Teil des Zwingers ist das Kronentor. An dessen Gestaltung haben fast alle Bildhauer mitgearbeitet, die bei der Entstehung des Zwingers mitgewirkt haben. Die Architektur des Kronentores ist am italienischen Hochbarock angelehnt und den antiken Triumphbögen abgeschaut.

Die Geschichte des Dresdner Zwingers

Im 12. Jahrhundert befand sich auf dem Areal des Zwingers noch eine Stadtmauer, die im Laufe der folgenden Jahre verstärkt wurde. Bis ins 16. Jahrhundert lag das Gebiet noch außerhalb der Stadtbefestigung. Die ersten Schritte für den späteren Zwinger wurden von Kurfürst Moritz veranlasst, der 1549 eine Anlage nach Vorbild des Prager Schlossgartens erbauen lies. Kurfürst Moritz gilt zusammen mit seiner Gattin Anna als Begründer des sächsischen Gartenbaus.

Die heutige Anlage wurde aber erst von Friedrich August I. entworfen. August der Starke hatte schon in seiner Jugend viele Länder auf seiner Cavalierstour bereist und war vor allem vom Sonnenkönig Ludwig XIV. und seinem Versailles angetan. Diesen Prunk wollte August der Starke nach Dresden bringen. Aus der einfachen Holzarchitektur wurden steinerne Bauten. Einst als Vorhof für ein neues Schloss geplant wurde der Zwinger schnell zu einem Kunstwerk aus Gartenanlage und barocken Bauten. Daniel Pöppelmann wurde als Architekt verpflichtet, Balthasar Permoser als Bildhauer. Die Geschichte des Zwingers begann 1709 mit der Entstehung eines Festplatzes. 1711 begann der Bau des Nymphenbades, der Bogengalerie und des heutigen Mathematisch-Physikalischen-Salons. In Vorbereitung des Baus reiste Pöppelmann im Auftrag August des Starken nach Prag, Wien, Florenz, Rom und Neapel sowie später nach Versailles und studierte die zur damaligen Zeit moderne Bauweise.

Der Bau des Wallpavillons wurde 1716 begonnen. Schon ein Jahr später trieb August der Starke zur Eile an, denn die Hochzeit seines Sohnes rückte näher. 1719 erreichten die Arbeiten am Dresdner Zwinger einen vorläufigen Abschluss. Erst später folgen die Südseite und die Gebäude der Ostseite. Die Nordseite wurde nicht bebaut, da hier das neue Schloss entstehen sollte. Es wird vermutet, dass der Zwinger bis zum Jahr 1726 eine Bausumme von 900.000 Taler verschlungen hatte.

Bis zum Tod von August dem Starken schritt der Bau unterschiedlich schnell voran. Die Gebäude wurden bis 1728 fertiggestellt und ermöglichten August die Unterbringung seiner Sammlungen. Nach dem Tode von August dem Starken verlor der Zwinger schnell an Bedeutung. Vieles hatte sich verändert, so auch die Architektur. Und auch die Staatskassen waren nicht mehr so gut gefüllt. Der Unterhalt des Zwingers erforderte beträchtliche Gelder.

Die endgültige, bauliche Schließung des Areals erfolgt erst 1847 durch Gottfried Semper, der den Bau der Gemäldegalerie begann, den Karl Moritz Haenel 1849 beendete. Ursprünglich sollte die Gartenanlage um vieles größer werden und bis an das Elbufer gehen.

Februar 1945 – der Zwinger fällt

Beim Bombenangriff im Februar 1945 auf Dresden wird auch der Zwinger schwer beschädigt. Erhaltern blieben lediglich das Nymphenbad, die Umfassungsmauern der Pavillons, die Langgalerie, das Kronentor und der Stadtpavillon. Die nördliche Seite und die elbseitige Bogengalerie waren auf schwerste beschädigt, die Gebäude waren ausgebrannt. Durch die Hitze wurde der Sandstein beschädigt. Viele Gebäude kamen aus dem Gleichgewicht, unvergleichliche Kunstwerke gingen für immer verloren.

Noch im gleichen Jahr begann die Sicherung der Gebäuderuinen. Wertvolle Bauteile wurden geborgen und das Gelände von Sprengkörpern geräumt. Am Nordeingang gibt es eine fast unscheinbare Tafel mit der Aufschrift: „Das Museum wurde geprüft – keine Minen – Chanutin“.

Zwinger Dresden

Der Dresdner Zwinger heute

Der Zwinger beherbergt heute verschiedene Museen. Neben der architektonischen Kunst bietet der Zwinger unvergleichliche Sammlungen, die in der Welt einzigartig sind.

Die Gemäldegalerie „Alte Meister“ befindet sich im Sempergebäude und lockt jährlich etwa eine halbe Million Touristen an. Hier sind Werke italienischer, flämischer und holländischer Maler zu finden. Aber auch altdeutsche und altniederländische Künstler sind ausgestellt. Namen wie Tizian, Canaletto, Vermeer, Raffael, Dürer oder Holbein können bestaunt werden. Hier ist auch das berühmteste Gemälde der Welt zu finden – die Sixtinische Madonna. Über 500 Jahre ist das Gemälde von Raffael alt und hat immer noch nicht an Glanz verloren.

August der Starke ohne Porzellan? Undenkbar! Und so befindet sich auch die geliebte Porzellansammlung des Herrschers im Zwinger. August selbst hat die Sammlung 1715 im Zwinger gegründet. Sie enthält Stücke erlesener Schönheit. Und das nicht nur aus Meißen. August der Starke lies Porzellan aus der ganzen Welt kommen. Vasen aus der Ming-Dynastie, weiße Dehua-Ware und japanisches Arita-Porzellan sind in der Sammlung enthalten. Eine Besonderheit sind die Dragonervasen.

Im Jahre 2013 neu eröffnet wurde der Mathematisch-Physikalische-Salon, der technische Errungenschaften aus verschiedenen Epochen enthält. August der Starke hatte eine Leidenschaft für die technischen Spielereien, die auch seine Nachfolger sammelten. Historische Messgeräte, Feinschmiedekunst, Kartografien und Globen sowie optische Geräte zur Himmelsbeobachtung sind hier zu finden.

Doch nicht nur die Museen mit ihren Ausstellungen sind sehenswert. Sowohl im Zwinger als auch im Hofareal finden immer wieder musikalische Highlights statt.

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