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Brühlsche Terrasse

Bild: Elbfront der Brühlschen Terrasse; von links nach rechts: Brühlscher Garten, Albertinum, Ausstellungsgebäude (mit Kuppel), Kunstakademie (rechts dahinter die Frauenkirche), Sekundogenitur (dahinter der Turm des Neuen Rathauses), Ständehaus, ganz rechts der Georgenbau am Schlossplatz
Lage: Elbfront der Dresdner Altstadt östlich der Augustusbrücke
Name: benannt nach Graf Heinrich von Brühl (1700-1763; einflussreicher und sehr wohlhabender Staatsminister unter Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), in dessen Besitz sich dieser Bereich der Stadtfestung befand
Merkmale: erhalten gebliebenes Teilstück der Dresdner Stadtfestung (eine der größten Stadtbefestigungen Deutschlands, 1809-1829 abgebrochen), ca. 500 m lang, bis zu 200 m breit, beeindruckendster Abschnitt des Dresdner Elbufers, herrliche Aussicht auf die Kathedrale und die Semperoper sowie über die Elbe hinweg zur Neustadt, elbaufwärts bis zu den Loschwitzer Höhen und elbabwärts bis zu den Radebeuler Weinhängen, wird deshalb auch "Balkon Europas" genannt (seit dem 19. Jahrhundert genossen hier unzählige Besucher aus ganz Europa den Ausblick, darunter zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten), an der Stadtseite (Südseite) stehen bedeutende historische Bauwerke, im Westen Zugang vom Schlossplatz her über die Freitreppe, im Osten die Jungfernbastion mit dem Brühlschen Garten (und dem Moritzmonument zu Füßen ihrer Nordost-Ecke), im Inneren der Brühlschen Terrasse das Museum Festung Dresden (zeigt Reste der alten Stadtfestung)
Aus der Geschichte: 1737-1740: Bau des Palais Brühl (Architekt: Johann Christoph Knöffel, 23 Fensterachsen, prächtiger Festsaal, 88 m lange Gemäldegalerie, Standort etwa im Bereich des Ständehauses), 1740: Übereignung des östlich der Augustusbrücke (im Umfeld des Palais) gelegenen Teils der Dresdner Stadtfestung an Graf Brühl durch Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, 1747: Explosion der Jungfernbastion infolge eines Blitzschlages in das hier eingerichtete Pulvermagazin, Graf Brühl erhielt auch diesen Bereich geschenkt, ließ die demolierten Höfe zuschütten, auf der Jungfernbastion einen Garten anlegen (später Brühlscher Garten genannt) und auf dem Festungsplateau mehrere für die höfische Repräsentation und die prunkvollen Feste des Dresdner Hofadels geeignete Bauten errichten, z.B. die Brühlsche Bibliothek (Architekt: Johann Christoph Knöffel, Standort etwa im Bereich der Sekundogenitur), 1814 (nach dem Ende der Napoleonischen Kriege): der russische Generalgouverneur von Sachsen Fürst Repnin-Wolkonski (residierte im Palais Brühl) ließ die Brühlsche Terrasse (wie auch den Großen Garten) für die Öffentlichkeit freigeben, wenige Jahre später eröffneten die Kaffeehäuser "Belvedere" und "Café Reale" auf der Brühlschen Terrasse, Ende des 19. Jahrhunderts: zahlreiche Um- und Neubauten und Aufschüttung des Terrassenufers |

Bild: Draufsicht auf die Brühlsche Terrasse von Norden (Weitwinkelaufnahme aus dem Heißluftballon, entzerrt und teilschematisiert); von links (Osten) nach rechts (Westen): Carolabrücke (rechts der weiträumigen Brückenauffahrt die Neue Synagoge), Albertinum, davor der Brühlsche Garten auf der Jungfernbastion, in der Bildmitte Ausstellungsgebäude (schräg stehend, mit charakteristischer, auch "Zitronenpresse" genannter Kuppel) und Kunstakademie (darüber - angeschnitten - das Coselpalais und die Frauenkirche), Hotel Hilton (rotes Dach, der Freiplatz darüber ist inzwischen bebaut), darunter die Sekundogenitur (schmales Gebäude mit hellgrauem Dach), Ständehaus (trapezförmiges Gebäude mit dunkelgrauem Dach), darüber von links nach rechts das Johanneum (mit weißem Dach), der Stallhof (mit runder Pferdeschwemme) mit Langem Gang und Kanzleihaus und ganz rechts der Georgenbau, darunter der Schlossplatz mit der Zufahrt zur Augustusbrücke; am Terrassenufer die Schiffsanlegestellen der Weißen Flotte
 Bild: Am Terrassenufer (Elbufer unterhalb der Brühlschen Terrasse) besitzt die Dresdner Flotte, die größte und älteste Raddampferflotte der Welt, seit 1910 ihren Hauptanlegeplatz. Jedes Jahr am 1. Mai findet hier vor der Brühlschen Terrasse die traditionelle Dampferparade statt.
Denkmäler auf der Brühlschen Terrasse

Bronzestandbild Gottfried Sempers
Standort: zwischen der Kunstakademie und dem Albertinum (wo die Treppe von der Brühlschen Terrasse zum Georg-Treu-Platz und zum Eingang des Museums "Festung Dresden" hinunter führt)
Entstehungszeit, Bildhauer: 1892, Johannes Schilling (1828-1910)
Aus der Geschichte: Stiftung des Verbandes Deutscher Architekten und Ingenieure (der königlich-sächsische Hof und die Stadt Dresden gaben kein Geld, weil Gottfried Semper wegen seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand von 1849 bei der "Obrigkeit" trotz seiner großen Verdienste um die Dresdner Architektur in Ungnade stand) |
Sieben-Bastionen-Plastik (Bild unten)
Standort: zwischen der Sekundogenitur und der Kunstakademie (wo die Treppe zur Münzgasse hinunter führt)
Entstehungszeit, Künstler: 1990, Vincenz Wanitschke
Merkmale: erinnert an die sieben Bastionen der Dresdner Stadtfestung, die August der Starke im Jahr 1721 nach der Sonne, dem Mond und fünf Planeten benennen ließ (die Götter, die den genannten Himmelskörpern und auch den Bastionen ihren Namen gaben, finden im Kunstwerk interessante Charakterisierungen) |
 Bild: Sieben-Bastionen-Plastik auf der Brühlschen Terrasse

Ernst-Rietschel-Denkmal
Standort: vor der Sekundogenitur (hier stand einst der Brühlsche Gartenpavillon, in dem Ernst Rietschel (1804-1861) bis 1833 seine Werkstatt führte und Wilhelm Gotthelf Lohrmann im Jahr 1828 die Technische Bildungsanstalt Dresden, den frühen Vorläufer der Technischen Universität, eröffnete)
Entstehungszeit, Bildhauer: 1876, Johannes Schilling (1828-1910, ein Schüler Ernst Rietschels)
Merkmale: überlebensgroße Bronzebüste, in Lauchhammer gegossen, 1941 gerade noch vor dem Einschmelzen für Kriegszwecke bewahrt |
Freitreppe der Brühlschen Terrasse

Lage: Westseite der Brühlschen Terrasse, am Schlossplatz
Bauzeit: 1811 geplant, 1814 nach der Freigabe der Brühlschen Terrasse für die Öffentlichkeit begonnen, 1868 vollendet
Architekt: Gottlob Friedrich Thormeyer
Merkmale: 41 Stufen, an den vier Ecken die allegorische Figurengruppe "Vier Tageszeiten" (1868, Akademieprofessor Johannes Schilling, 1. Preis der Wiener Kunstausstellung von 1869) mit den Figuren "Morgen" (vom Schlossplatz gesehen oben links), "Mittag" (oben rechts), "Abend" (unten links) und "Nacht" (unten rechts), 1908 durch originalgetreue Bronzeabgüsse ersetzt (weil die Sandsteinfiguren verwitterten und eine Nachvergoldung misslang), ursprünglich standen unten an der Treppe zwei Löwen von Gottlob Christian Kühn (heute im Großen Garten am südlichen Ende der Querallee) |
 Bilder: Figurengruppen "Nacht" (Bild oben links), "Mittag" (Bild oben rechts), "Abend" (Bild unten links) und "Morgen" (Bild unten rechts) der Freitreppe der Brühlschen Terrasse
Jungfernbastion, Brühlscher Garten
Lage: im Osten der Brühlschen Terrasse
Bauzeit: 1589-1592 (Bau der Jungfernbastion als neue Nordostecke der Stadtfestung, im wesentlichen nach Plänen von Paul Buchner)
Aus der Geschichte: ab 1721 auch Venusbastion genannt (August der Starke, reg. 1694-1733, ließ die sieben Bastionen der Dresdner Fortifikation nach der Sonne, dem Mond und fünf Planeten benennen), 1747: Explosion des Pulvermagazins in der Jungfernbastion, 1747-1749: Staatsminister Graf Heinrich von Brühl wurde Eigentümer dieses Geländes: ließ die Höfe zuschütten und auf dem Plateau einen Lustgarten anlegen (später Brühlscher Garten genannt) und diesen mit einem Eisengeländer einzäunen (eine markierte Vertiefung am Geländer soll ein Daumenabdruck Augusts des Starken sein, der zwischen "einem Bilderkauf, zwei Staatsakten und drei Liebesspielen" hier schnell einmal seine Kraft demonstriert haben soll; leider nur eine Legende, weil der Kurfürst und König schon 1733 verstorben war) |
 Bild: Elbseite der Jungfernbastion im Osten der Brühlschen Terrasse, oben der Brühlsche Garten, in der Mitte die Kleine Bastion mit Schießscharten (bildete vor dem Bau der Jungfernbastion die Nordost-Ecke der Stadtfestung), der Bereich der Uferstraße wurde erst im 19. Jahrhundert aufgeschüttet, vorher war die Stadtmauer hier vom Elbstrom umspült
Belvedere
Lage: stand bis 1945 im Brühlschen Garten auf dem Belvederehügel der Jungfernbastion
Bauzeit, Architekt: um 1589: Giovanni Maria Nosseni (Entwürfe)
Merkmale: Renaissance-Lusthaus mit zwanzig lebensgroßen Sandsteinfiguren und sechzig Büsten, nach dem Vorbild des Prager Belvedere auf dem Hradschin gebaut und auch ähnlich aussehend, prächtige Innenausstattung
Aus der Geschichte: 1747: Zerstörung bei der durch einen Blitzschlag ausgelösten Explosion des Pulvermagazins in der Jungfernbastion, 1749-1751: Wiederaufbau durch Johann Christoph Knöffel, 1759 (im Siebenjährigen Krieg): Zerstörung durch die preußischen Besatzer, blieb bis 1814 eine Ruine, 1842: Neubau als Restaurant und Konzerthaus durch Otto von Wolframsdorf, Februar 1945: Zerstörung durch die Bombenangriffe |
 Bild: Zweites Belvedere (1751) auf der Jungfernbastion (nach einer Zeichnung des Baumeisters Johann Christoph Knöffel)
 Bilder: Delphinbrunnen (1747-1749, Pierre Coudray) und Sphinxfigur (um 1750, Gottfried Knöffler) im Brühlschen Garten auf dem Belvederehügel der Jungfernbastion (im Eingangsbereich des ehem. Lusthauses)

Böttger-Gedenkstele
Standort: Brühlscher Garten
Entstehungszeit: 1982 (zum 300. Geburtstag von Johann Friedrich Böttger)
Künstler: Peter Makolies
Merkmale: Portraitrelief aus Meissener Porzellan, Inschrift unter dem Relief: "Johann Friedrich Böttger 1682-1719", Inschrift am Sockel: "Hier in den Gewölben der alten Dresdener Festung erfand Böttger 1708 das Porzellan"
Aus der Geschichte: Unter dem Brühlschen Garten befanden sich bis zur Explosion des Pulvermagazins im Jahr 1747 die Gewölbe, in denen Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zwischen 1707 und 1709 das Verfahren für die Herstellung des europäischen Hartporzellans entwickelten. Böttgers "Schmelzküche" in der Jungfernbastion kann man als Wiege des europäischen Porzellans und erste europäische Porzellanmanufaktur bezeichnen. |

Caspar-David-Friedrich-Denkmal
Denkmal für den berühmten Maler der Romantik Caspar David Friedrich (lebte von 1798 bis zu seinem Tode 1840 in Dresden, viele seiner Bilder sind in der Galerie Neue Meister im unweit gelegenen Albertinum zu sehen)
Standort: Brühlscher Garten
Entstehungszeit, Künstler: 1990, Wolf-Eike Kuntsche
Merkmale: 3 m hohe Plastik aus poliertem Edelstahl, zeigt das schlichte Atelier des Malers, wie es in einem Gemälde von Georg Friedrich Kersting (um 1812, Galerie Neue Meister) zu sehen ist |

Moritzmonument
Lage: am Fuß der Nordostecke der Jungfernbastion (bis 1895 an der Hasenbastei), im Jahr 2000 durch eine Kopie ersetzt (Original im Museum Festung Dresden)
Entstehungszeit, Bildhauer: um 1553, Hans Walther II
Merkmale: ältestes erhaltenes Denkmal Dresdens, Stil der Renaissance, aus Sandstein, einst farbig bemalt, 6 m hoch, 2,5 m breit; Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) ließ es in Gedenken an seinen Vorgänger und Bruder Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) errichten;
Unter einem dorischen Säulenbau überreicht Kurfürst Moritz von Sachsen (verschaffte 1547 der in Dresden residierenden albertinischen Linie der Wettiner die Kurwürde und machte damit Dresden zur kurfürstlichen Residenz), vom Tod begleitet, seinem Bruder und Nachfolger August das Kurschwert. Links steht Agnes von Hessen (Gemahlin von Kurfürst Moritz, im Trauerkleid, weil der Kurfürst 1553 in der Schlacht bei Sievershausen fiel), rechts Anna (aus dem dänisch-norwegischen Königshaus stammende Gemahlin Augusts). |


Gemeindehaus (ehem. Hofgärtnerei)
Lage: Ostzugang zur Brühlschen Terrasse, neben dem Albertinum
Merkmale: schlichtes, aber wohlproportioniertes Barockhaus
Aus der Geschichte: gehörte zur Anlage der ehem. Hofgärtnerei, Februar 1945: durch die Bombenangriffe zerstört, äußerlich originalgetreu wiederhergestellt, seit 1954: Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Kirche |

Bärenzwinger
Lage: am Fuße von Brühlschem Garten und Gemeindehaus
Name: von "Batardeau" abgeleitet (einer für diesen Teil der Stadtfestung geltenden Bezeichnung, hat nichts mit "Bären" zu tun)
Merkmale: hoch von Mauern eingefasster Hof, altes Tonnengewölbe, einziger erhalten gebliebener Kasematteneinstieg der Brühlschen Terrasse
Aus der Geschichte: seit 1968 ist im Bärenzwinger der gleichnamige Studentenklub eingerichtet |

Gondelhafen
Lage: Grünanlage vor der Ostseite der Brühlschen Terrasse am Ort des früheren Gondelhafens (links im Bild der Eingang zum Bärenzwinger)
Aus der Geschichte: Nach dem Krieg wurde ein Teil des Gondelhafengeländes in die Auffahrt der Carolabrücke einbezogen.
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